"Vernichtet Namen und Leib, Sproß und Samen dieses Babyloniers!"
(Kardinal Raniero Capocci)
Zu Beginn des Bandes geht der renommierte Barbarossa- und Stauferexperte, Prof. Dr. Knut Görich zunächst auf Entdeckung und Widerentdeckung der Staufer ein. In einem in unzählige Kleinstaaten und Herrschaften zerplitterten, nach nationaler Einigkeit ringenden Deutschland des 19. Jahrhunderts, wurden die Staufer romantisiert zu einem einenden Sinnbild verklärt. Nach der Gründung des zweiten deutschen Kaiserreiches im Jahre 1971 wurde versucht, Parallelen zwischen den Hohenstaufen und den Hohenzollern ziehen, indem u. a. Kaiser Wilhelm I. als "Barbablanca" tituliert (Seite 13), und 1896 bei Frankenhausen in Thürigen das Kyffhäuserdenkmal fertiggestellt wurde. Während der Nazizeit wurden die Staufer für verbrecherische Machenschaften mißbraucht. So gab es die "9. SS-Panzer-Division Hohenstaufen" und das Unternehmen Barbarossa war der Deckname für die Vorbereitung eines Angriffskrieges. Auch das Kyffhäuserdenkmal wurde für den "braunen Kult" in Beschlag genommen.....
.....45 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs gab die Bundesbank zum achthundertsten Todestag Kaiser Friedrich I. zwar eine Zehn-Mark-Gedenkmünze heraus, aber der der Kyffhäuser kehrte im Zuge der Wiedervereinigung nur in das geograhische Zentrum Deutschlands zurück.
Die "Staufer" oder "von Hohenstaufen" bezeichneten sich selbst übrigens nicht als solche, denn diese, vom Stammsitz Herzog Friedrichs I. von Schwaben abgeleitete Bezeichnung, kam erst im ausgehenden 15. Jahrhundert auf. Sie legten sie Wert darauf, von Agnes, der Tochter des Salierkaisers Heinrich IV. und Gattin Herzog Friedrichs I. abzustammen.
Wie der Untertitel "Herrscher und Reich" bereits erahnen lässt, stehen die Beziehung der Herrscher zum Heiligen Römischen Reich im Mittelpunkt des Bandes. In fünf Kapiteln erläutert der Autor den Werdegang und die Herrschaftspraxis der sechs gewählten (!) Könige/Kaiser Konrad II., Friedrich I. (Barbarossa), Heinrich VI., Philipp, Friedrich (stupor mundi) und Konrad IV. Hierzu gehören die Teilnahme an Kreuzzügen, Doppelkönigtum, Italienpolitik, der Antagonismus zwischen Ghibellinen und papsttreuen Guelfen, der Versuch ein erbliches Königtum einzuführen und vor allem - nach der Gewinnung des sizilianische Krone - die angestrebte "unio regni ad imperium" (S. 75), die vor allem Friedrich II. die erbarmungslose Feinschaft des Papstes (siehe Eingangszitat) einbrachte. Das Schicksal der tragischen Gestalten König Heinrich (VII.), König Enzio von Sizilien und König Manfred von Sizilien - alle Söhne Friedrichs II. - wird mehr oder weniger ausführlich erörtet. Nicht erwähnt werden jedoch Federico di Antiochia, ein weiterer (illegitimer) Sohn Friedrichs II., dessen Sohn Corrado von Antiochia, die Hinrichtung Konradins um mehr als 30 Jahre überleben und u. a. der Vater zweier Erzbischöfe von Palermo werden sollte. Zum Ende des Bandes schließt sich der historische Kreis, wenn sich Kurt Görich mit den Gründen, die zum Zerfall des Reiches nach dem Tode Friedrichs II. und schließlich zu den territorialen Verhältnissen des 19. Jahrhunderts führten, befasst.
Als Zusatzmaterialien bietet "Die Staufer" auf den Innenseiten des Buchdeckels jeweils eine Karte Deutschlands und eine Karte Italiens "in staufischer Zeit". Nbene Daten zu den genannten sechs Moarchen, bilden eine Stammtafel der "Staufer, Welfen und Babenberger" (Barbarossa war zu einer Hälfte Staufer, zur anderen Welfe!) und ein Personenregister den Abschluss. Darüber hinaus bietet ein ein über dreiseitiges Verzeichnis mit Literaturhinweisen bieten denjenigen Lesern, die tifer in das Thema einsteigen wollen, wertvolle Anregungen.
5 Amazonsterne für einen mit Spannung zu lesenden Crashkurs über die gut hundertjährige Herrschaft einer europäischen Dynastie, deren Protagonisten durch zeitgenössische Propaganda sowohl als "Pfaffenkönige" als auch "Antichrist" diffamiert worden sind.