Klar, Jürgen Schreiber ist Journalist, aber die sprachliche Effekthascherei gehört meines Erachtens eher in die Tagespresse, wenn nicht gar in die Yellow-Press. Die einzelnen Kapitel sind zwar zum Teil spannend, aber das immer wiederkehrende Täter-Opfer-Schema nervt. Unübersehbar nimmt der Autor Partei ein für die Opfer der Stasi, als wären beispielsweise die BRD-Geheimdienste die saubersten der Welt. In einem Kapitel bricht er merkwürdigerweise dieses Schema (Der amerikanische Freund, S.87). Da wird plötzlich ein MfS-Beauftragter zum bedauernswerten Opfer. Weiterhin frage ich mich, ob nach all den Offenbarungen der letzten Jahre beispielsweise die beschattete CDU als Opfer zu sehen ist oder ob nicht diesbezüglich die Stasi hervorragende Arbeit geleistet hat.
Der größte Mangel an dem Buch sind aber für mich die fehlenden Quellenangaben. Da es sich nicht um einen Roman handelt, ist für mich der Vertrauensvorschuss bezüglich der Recherchearbeit zu groß. Stupide werde ich mit der ebenfalls immer wiederkehrenden Phrase "[...] und wird hier erstmals anhand der Akten rekonstruiert." abgespeist. Daher ist vielleicht die Klatschpresse das bessere Medium.