Der DDR-Fußball hat den sozialistischen Arbeiter- und Bauern-Staat um einige Monate überlebt, denn der Ball rollte in DDR-Oberliga bis zum Sommer 1991. Die größten sportlichen Erfolge feierte der DDR-Fußball im Jahr 1974, als der 1. FC Magdeburg mit 2:0 gegen den AC Milan den Europapokal der Pokalsieger gewann und als die DDR-Nationalmannschaft bei der WM gegen den Gastgeber aus der BRD mit 1:0 als Sieger vom Platz ging. Ansonsten konnte der DDR-Fußball im Vergleich mit der Weltspitze selten mithalten und wurde häufig belächelt.
Die beiden Autoren Christian und Martin Henkel stellen in ihrem Bild-Text-Band aus dem Delius Klasing Verlag die "Stars des DDR-Fußballs" vor. In 81 Porträts berichten sie von Sportlern, die den Fußball im alten Osten Deutschlands maßgeblich geprägt haben. Es sind nicht nur Erinnerungen an die erfolgreichen 70er Jahre, die Spanne reicht vielmehr von den 50er Jahren mit den legendären Clubs Empor Lauter oder Wismut Karl-Marx-Stadt bis zur letzten Oberliga-Saison 1990/91.
Die Protagonisten des DDR-Fußballs werden dabei in zehn Kapitel unterteilt, von den "Helden ihrer Clubs" über die "Strategen" bis zu den "Staatsflüchtlingen". Besondere Kapitel sind den Torhütern, Abwehrrecken und Stürmern gewidmet. Hier wird z.B. an René Müller, Eberhard Vogel, Jürgen Sparwasser oder Lothar Kurbjuweit erinnert. Trainer und die Männer in Schwarz finden in dem Abschnitt "Linie und Pfeife" ihre Würdigung, so Rudi Glöckner, der das WM-Finale 1970 in Mexiko zwischen Brasilien und Italien leitete.
Breiten Raum nimmt auch der DDR-Fußball während der turbulenten Wendejahre ein. Hier waren es Spieler wie Matthias Sammer, Thomas Doll oder Ulf Kirsten, die auch in der Bundesliga Karriere machten. Den Abschluss der 144 Seiten bilden schließlich "Die besten 12 aus 40 Jahren": von Torhüter Jürgen Croy über Verteidiger Klaus Urbanczyk, Spielmacher Dieter Erler bis zum "Schwarzen Peter" (Peter Ducke).
Neben den informativen Begleittexten besticht das Fußballbuch vor allem durch seine großformatigen Spielerfotos, die von dem bekannten Fotoreporter Reinaldo Coddou H. ausgewählt wurden. Sie lassen beim Blättern besonders bei den älteren Fußballfreunden viele Erinnerungen aufkommen, aber auch jungen Lesern wird viel Wissenswertes vermittelt.
Fazit: Das erste große Fotobuch zum DDR-Fußball, das außerdem beweist, dass dieser wohl besser war als sein Ruf.
Manfred Orlick