... der Rhythmus der Lagune, der Rhythmus des Wassers, der Gezeiten, der Wellen... Der Rhythmus von Venedig ist wie das Atmen», heißt es im Prolog von diesem Buch. Und so führt uns Jochen Behrendt ein in diesen Rhythmus
der Lagunenstadt, reist mit dem Leser durch die Winkel und Gassen Venedigs, lüftet die Geheimnisse hinter den Mauern prächtiger Palazzi und offenbart das wahre Gesicht einer der faszinierendsten und am wenigsten greifbaren Städte der Welt.
Alles beginnt am 29. Januar 1996, als zum Schrecken der Venezianer und von Musikfans in aller Welt das weltberühmte Opernhaus «La Fenice» bis auf die Grundmauern niederbrennt. Die Frage, ob es sich um einen Unfall oder um Brandstiftung gehandelt hat, erhitzt dabei bis heute die Gemüter. Drei Tage später kommt Berendt in die noch unter Schock stehende Stadt und versucht, die mysteriösen Hintergrunde des Feuers zu recherchieren.
Immer tiefer dringt er dabei ein in die Stadt am Canal Grande, wie in einem Crescendo spürt der Leser, wie die Geschichten und Legenden Venedigs, die Mythen und Märchen auch den Autor selbst immer tiefer in ihren Bann ziehen. «Es leuchtete ein, dass Menschen, die in Venedig leben, viel über Venedig reden, da es schließlich in Venedig immer um Venedig geht», merkt Berendt schon relativ früh in seinem Werk an. Dass es sich dabei um ein Sachbuch und nicht um einen Roman handelt, vergisst der Leser schnell - so sinnlich ist das Buch geschrieben, so poetisch und erzählgewaltig.
Die eigentlichen Protagonisten in «Stadt der fallenden Engel» sind dabei die ungewöhnlichen Persönlichkeiten, die Berendt während seiner Zeit in der Lagunenstadt trifft. Graf Girolamo Marcello etwa, den berühmten Glasbläser Signor Seguso, den rebellischen Künstler Ludovico de Luigi oder auch Fiat-Chef Giovanni Agnelli. Auf die Frage, welcher dieser Menschen bei ihm den größten Eindruck hinterlassen hat, antwortete John Berendt in einem Interview: «Ich habe keinen Favoriten, aber Graf Girolamo Marcello hat sicherlich starke Erinnerungen hinterlassen, er ist ein äußerst begabter Kommentator, von dem ich viele Zitate benutzen konnte.»
Ein wunderschönes Buch mit viel exotischem Charme!