Das Buch ist schwer zu rezensieren, ohne zu viel von der Handlung und auch der Genialität des Settings zu verraten.
The City & the City spielt in einer erfundenen kontemporären osteuropäischen Stadt, und zwar einer politisch geteilten Stadt, die in zwei strikt getrennten Staaten zerfällt. Die fantastische Art, wie diese Trennung praktisch existiert, ist wieder ein leuchtendes Beispiel für Miévilles fast geniale Kreativität und Intelligenz. Die Trennung lässt sich jedenfalls als Gleichnis auf die menschliche selektive Wahrnehmung lesen - mehr kann hier nicht gesagt werden, ohne dem Leser das Vergnügen zu nehmen, die Art der politischen Teilung der Stadt durch die Lektüre selbst allmählich kennenzulernen.
Protagonist und Ich-Erzähler des Romans ist Inspektor Borlú, der im Mordfall einer Frau ermittelt, welcher bald politische Dimensionen anzunehmen scheint und einerseits auf eine Gruppe verborgener Meister, die sich zwischen den Hälften der Stadt bewegen und beide kontrollieren, verweist, und andererseits auf Extremisten der Wiedervereinigung wie der strikten Trennung der beiden Staatengebilde. Seine Ermittlungen führen Borlú in die andere Hälfte der Stadt und letztlich in die verborgene Welt zwischen den Städten.
Ein hochintelligentes, teils parabelhaftes und höchst empfehlenswertes Buch, ganz besonders, aber keineswegs nur, für Freunde von Kriminalfällen und geheimen Verschwörungen durchzogen vom Verdacht des Übernatürlichen.