Nach "Vertraute Fremde" ist dies mein zweiter Manga von Jiro Taniguchi und ich bin erneut begeistert. Ich bezweifle stark, dass dieses Buch für 12-15jährige gedacht ist, wie die Altersangabe in der amazon-Beschreibung behauptet. Dafür ist die Geschichte zu vielschichtig und enthält zu viele Informationen zwischen den Zeilen. Shiga ist der einsame Mann aus den Bergen - ein Bergsteiger und Hüttenbetreiber. Einst ist sein bester Freund bei der Besteigung seines letzten Berges ums Leben gekommen und hat ihm kurz vor seinem Tod eine Nachricht zukommen lassen, in der er ihn bittet, sich um seine Frau Yoriko und Tochter Megumi zu kümmern. Diese Aufgabe nimmt Shiga sehr ernst. Als die Frau seines verstorbenen Freundes eines Tages anruft, ihre Tochter sei verschwunden, macht sich Shiga auf den Weg nach Tokyo, um Megumi zu suchen.
Diese Suche gestaltet sich äußerst schwierig. Die Polizei ist machtlos, bei ihren Freundinnen begegnet er einer Mauer des Schweigens, bis er schließlich auf einen dubiosen Mittelsmann stößt, der guten Kontakt zu den Mädchen hat. Shiga findet heraus, dass es eine Subkultur gibt, in der er Megumi auf keinen Fall sehen möchte. Schließlich findet er heraus, wo Megumi steckt - doch es ist praktisch unmöglich, das zu beweisen oder sie dort herauszuholen.
Taniguchi stellt Aspekte der japanischen Gesellschaft dar, die man nicht kennt. Seine Hauptfiguren malt er dabei in überlebensgroßen Bildern - der aufrechte, schmerzerfüllte, treue Shiga ist ein bisschen zu stark. Die meisten anderen Figuren sind aber sehr vielschichtig, die Geschichte komplex. Man fühlt die Verwirrung und das Fremdsein des Bergsteigers in der Großstadt, die sehr authentisch dargestellt wird. Außerdem ist die Geschichte sehr, sehr spannend!