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Die Stadt der Sehenden
 
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Die Stadt der Sehenden (Broschiert)

von José Saramago (Autor), Marianne Gareis (Übersetzer)
3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (21 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 382 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Tb.; Auflage: 4 (1. Oktober 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499240823
  • ISBN-13: 978-3499240829
  • Originaltitel: Ensaio sobre la lucidez
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 11,6 x 3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (21 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 52.688 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

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    Nr. 9 in  Bücher > Belletristik > Romane & Erzählungen > Zeitgenössische Literatur > Internationale Autoren > Saramago, Jose

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Es ist der Alptraum eines jeden Politikers, einer jeden Partei: da ist Wahl und keiner geht hin, schlimmer noch, die Wenigen, die kommen, geben unausgefüllte Stimmzettel ab. Und bei der Wahlwiederholung sind zwei Drittel aller Stimmzettel „leer und weiß“. Ein politisches Desaster, das „sich wie eine ihre Zündschnur suchende Bombe durchs Land zieht.“

Der portugiesische Literatur-Nobelpreisträger José Saramago bot schon in früheren Büchern einen auffälligen Gegensatz: so wie er lebt, schreibt er, ruhig, fast still, gedämpft, vermeintlich gleichmütig. Aber das, was er schreibt bewegt und erschüttert wie ein alles mit sich reißendes Beben, da wird eine politische Science-Fiktion-Geschichte auf fast 400 Seiten zu einer immer stärker, öfter und eindringlicher an reale Gegebenheiten erinnernden Parabel, bitter-böse, pessimistisch und nicht gerade Hoffnung machend.

Die Regierung, unfähiger denn je, steht mit dem Rücken zur Wand, Spitzel werden ausgeschickt. „Das Wort wird aufgenommen und ebenso das Gefühl. Niemand ist mehr sicher.“ Mit Verhaftungen, Gewalt, und Folter will man die Ursachen für die alle Parteien gleichermaßen betreffende Wahlschlappe herausfinden. Terror ähnliche Machenschaften durchlöchern langsam aber stetig die saubere, als so demokratisch gerühmte Oberfläche. Attentate, auffahrende Panzer, Demonstrationen verunsichern und destabilisieren das bis dahin so sicher geglaubte Leben. Es gibt Tote. Ein Kommissar soll die Schuldigen für das Versagen des Systems finden. Und da gibt es denn auch schon jemanden, der in Frage kommt, bekannt aus Saramagos beeindruckendem Roman Die Stadt der Blinden. Ein Buch, das kein Muss ist, um den neuen Roman über die Zerbrechlichkeit demokratischen Zusammenlebens, über Hochmut und Macht zu verstehen und außerordentlich wertzuschätzen, aber ein ebenso geniales Buch, dessen Lektüre man auf jeden Fall nachholen sollte!

Zugegeben, ein Saramogo liest sich nicht ganz leicht, endlos scheinende Sätze, oft eher konstruiert denn gedacht, mag man denken. Aber: man liest sich sozusagen in den Fluss ein. Und das geht so schnell, als würde man mitgerissen von einem langsam fließenden Lavastrom, aus dem es einfach kein Entrinnen mehr gibt. Saramago verstrickt den Leser in immer tiefere Nachdenklichkeit, Zweifel kommen auf, Fragen, Erkenntnisse. Mit Lösungen wird die Lektüre nicht versüßt, vielmehr bleiben kritische Betrachtung und Wachsamkeit. Aber: was kann es für mündige Staatsbürger besseres geben? --Barbara Wegmann -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .



Pressestimmen

"Ein sehr mutiges Buch, geschrieben mit eigensinniger Weisheit und frischer Wut." (Die Zeit)

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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Politikum, 20. Dezember 2007
Im Gegensatz zu den meisten Kritikern hier, habe ich die "Stadt der Sehenden" VOR dem hier oft zitierten "Stadt der Blinden" gelesen und hatte vielleicht nicht diese unermesslich hohe Erwartungshaltung. Gut so, sagt man.

Denn...
Saramago's Roman ist eine wirklich zu Lachen komische und zum Weinen traurige Parabel, durchaus nachvollziehbar erscheint das Verhalten der Städter, denen es ganz einfach reicht, dass man auf ihrem Rücken große Politik spielt.
Mündige Bürger beginnen sich still zu wehren, gewaltloser Widerstand der dann auf die Hilflosigkeit der scheinbar so Mächtigen trifft. Eine wunderbare Idee und wunderbar ausgeführt.

Man sollte diesen Roman nicht als Nachfolger der "Blinden" sehen, obschon der Marketingtrick - anders mag man es nicht bezeichnen - ein durchsichtiger ist.
Dem Werk selbst wird dadurch unrecht getan, denn irgendwie ist Saramago's Satire fast Pflichtlektüre für den mündigen Bürger, der sich schließlich täglich auf der Nase herumtanzen lässt.

LG
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19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen Aufgeblasene, zähe Kurzgeschichte, 24. Januar 2007
Von Thomas Liehr (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REVIEWER)    (REAL NAME)   
Diese Rezension stammt von: Die Stadt der Sehenden (Gebundene Ausgabe)
Die Titelähnlichkeit zum grandiosen "Die Stadt der Blinden" ist nicht nur Marketingtrick. Wie im "Vorgänger" skizziert Saramago eine Grenzsituation, beobachtet seine - namenlosen und häufig nur angedeuteten - Figuren bei ihren Aktionen und Reaktionen. Allerdings gibt es erhebliche, entscheidende Unterschiede.

In der Hauptstadt des - ebenfalls namenlosen - Landes kommt es bei Kommunalwahlen zum Eklat: Erst geht niemand hin, und dann, als sich um Punkt 16:00 Uhr doch noch die Wahllokale füllen, wählen die Bürger nicht richtig. Bei der Auszählung stellt sich heraus, daß die meisten leere ("weiße") Stimmzettel abgegeben haben. Die rasch angesetzte Wiederholung der Wahl zeitigt das gleiche Ergebnis. Kurzerhand ruft die Regierung, beherrscht von der PDR, der Partei der Rechten (das Dreiparteiensystem besteht aus der PDR, der Partei der Mitte und der Partei der Linken), den Notstand aus. In der Folge eskaliert die Situation, es kommt zu Bespitzelung, Folter, Mord und vielem mehr.

Mit Verlaub, dieser Roman ist bestenfalls geeignet, das Ansehen des Literaturnobelpreisträgers zu verschlechtern. Von fast schon lächerlicher Naivität gekennzeichnet und mit vielen inhaltlichen Fehlern durchsetzt, bietet das zähe, mühselig erzählte und weitgehend unspannende Buch weder ein Aha-Erlebnis, noch, wie das "Die Stadt der Blinden" tat, eine nachvollziehbare, tatsächlich ängstigende Ausgangssituation. Saramagos fiktiver Staat mit seiner klischeehaften Besetzung der Machtpositionen entspricht einem Gesellschaftsentwurf, der in dieser Form kaum auf reale Verhältnisse adaptierbar ist. Das Buch liest sich wie der Angsttraum eines sehr naiven Linken. Und Saramagos Stil, der in "Die Stadt der Blinden" noch geeignet war, die überaus deprimierende, aber zwingende Handlungsfolge zu transportieren, nervt hier nur. Zudem gibt es viele, zu viele Parallelen, aber das Was-wäre-wenn-Szenario in "Die Stadt der Sehenden" hätte bestenfalls für eine Kurzgeschichte ausgereicht.

Jedenfalls mußte ich beim Lesen ständig gegen die Ermüdung ankämpfen.
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20 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen Zwanghaft wirkender Versuch einer Fortsetzung; ohne Botschaft., 19. März 2007
Von Martin Adler (Ravensburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Diese Rezension stammt von: Die Stadt der Sehenden (Gebundene Ausgabe)
Nach "Die Stadt der Blinden" war "Die Stadt der Sehenden" mein zweites Buch von Saramago. Ich finde gefallen an seinem Schreibstil, der metaphernreichen Sprache, den komplizierten Satzgefügen, dem Verzicht auf Anführungszeichen und ähnliche 'Hilsmittel', der Anonymität seiner Charaktere.

Die Stadt der Sehenden versprach eigentlich, eine interssante Lektüre zu werden: Die Idee, dass einem demokratischen System durch mehrheitliches Nichtwählen die Legitimationsgrundlage entzogen wird. Auch der Rückzug der staatlichen Ordnungsmacht, als parallele zum 'Die Stadt der Blinden', hätte zu einer interessanten Geschichte genutzt werden können. Anders als in jenem Buch entwickelt sich hier keine Anarchie, selbst ohne Polizeischutz scheint das Leben in der Stadt weiterhin seinen geordneten Lauf zu nehmen. Dies ist zwar unrealistisch, doch man könnte darüber hinwegsehen, wenn es einem höheren Zweck dienen Würde: dem Übermitteln einer Botschaft. Eine solche fehlt dem Buch allerdings völlig. Ratlose Politiker, die in einer solchen für sie völlig neuen Situation keine andere Lösung sehen, als willkürlich irgendwelche Schuldigen für das 'Weißwählen' zu finden, das als 'subversiver Akt' gegen das System angesehen wird. Es entwickelt sich eine Geschichte, in der ein unschuldiges Volk einer Reihe ignoranter, egoistischer Politiker (über die kaum ein negatives Klischee ausgelassen wird) gegenübersteht. Falls Saramago versuchen wollte, eine ähnliche Parabel über die Hoffnungslosigkeit der Auflehnung gegen eine übermächtige Staatsmacht zu schaffen wie George Orwell in seinem "1984", ist dieser Versuch gründlich misslungen.

Rein formal kann man das Buch in zwei Häften unterteilen:
In der ersten gibt es keine persönliche Perspektive, es wird vielmehr aus der 'Vogelperspektive' betrachtet, wie auf das 'Weißwählen' reagiert wird. Zur Mitte, als das Buch aufgrund dieser 'Oberflächlichkeit' und des Mangels einer Identifikationsfigur unlesbar zu werden droht und man sich schon fragt, was denn wohl die Frau des Augenarztes aus "Die Stadt der Blinden" mit der Geschichte zu tun hat, vollzieht sich der Wechsel zur Perspektive eines Kommissars, der zunächst damit beauftragt wird, die "Wurzel des Übels" ausfindig zu machen, sich dann allerdings der Unsinnigkeit dieses Auftrags bewusst wird, da es dieses Übel nicht zu geben scheint.

Es wirkt ein wenig so, als wollte Saramago zwanghaft an einige Punkte aus "Die Stadt der Blinden" anknüpfen und Parallelen schaffen: In beiden Büchern die Frau des Augenarztes als moralische Instanz, als Heldin, dort das 'Weiße Übel' als Blindheit, hier in Form weißer Stimmzettel.
Doch Saramago ist es leider nicht gelungen, aus diesem interessanten Ansatz eine ebenso interessante, fesselnde und nachdenklich stimmende Geschichte zu machen. Vor allem hat er in diesem Buch eines nicht geschafft: Eine Botschaft zu übermitteln.
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