Im Wesentlichen schließe ich mich der Rezension von "talwyn" an, möchte aber noch einige Dinge hinzufügen.
Tatsache ist, dass in den Favelas nicht nur Menschen wohnen, die eh keine Hoffnung mehr haben. Sondern dort wohnen jede Menge ganz gewöhnliche Arbeiter und Angestellte, die sich eine Wohnung in einem besseren Viertel wegen der horrenden Mieten schlicht nicht leisten können. Wer den Roman genau liest, wird das nicht übersehen.
Diese Favela-Bewohner (eine prominente: Ex-Bürgermeisterin von Rio de Janeiro und aktuell Ministerin in der Regierung Lula) haben sich organisiert, um vor allem den Kindern Ausbildung und Perspektive zu bieten und das den Favelas anhaftende Image von Drogen und Gangstertum vehement zu bekämpfen. Ein m.E. sehr überzeugender Beweis davon ist die "Revista Favela", im Internet zu finden unter www.vivafavela.com.br, eine sehr informative und immer aktuelle Zeitschrift, die sich hautnah mit den Belangen der Favela-Bewohner beschäftigt, geschrieben von den Betroffenen.
Allen Interessierten, die Rio de Janeiro besuchen möchten, rate ich, eine geführte Tour durch die Favela Rocinha zu machen (Infos dazu gibt es in der Jugendherberge "Chave do Rio" in Botafogo, Rua General Dionísio). Abraten möchte ich dringend von den unverschämt teuren Touren in gepanzerten Jeeps. Da bekommen die Besucher erstens gar nichts mit, und zweitens sind diese Touren gefährlich: Da scheint es nämlich klar zu sein, dass es sich um reiche Touris handelt, die zu überfallen lohnend ist.(Und der Colt sitzt locker in den Favelas, Paulo Lins' Roman ist da sehr realistisch.)
Zum Schluss noch eine Warnung: Die deutsche Übersetzung von "Cidade de Deus" ist miserabel. Allen, die halbwegs portugiesisch können, sei dringend angeraten, das Original zu lesen, auch wenn's wegen der vielen gíria-Ausdrücke ziemlich schwierig ist. Es lohnt sich.