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Produktinformation
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So beginnt die Geschichte des portugiesischen Schriftstellers José Saramago über eine Menschheit im Belagerungszustand. Ein erheblicher Mangel an Absätzen, begrenzte Zeichensetzung und eingeschobene Dialoge ohne Anführungszeichen und Attribute erscheinen im ersten Moment als eine ziemliche Herausforderung, aber dieser Stil trägt tatsächlich zum Spannungsaufbau und zur Einbindung des Lesers bei.
In dieser Gemeinschaft von blinden Menschen gibt es noch ein Paar sehender Augen: die Frau des Arztes hat ihre Blindheit nur vorgetäuscht, um ihren Mann in die Quarantäne begleiten zu können. Als die Zahl der Opfer wächst und das Asyl aus allen Nähten platzt, beginnt die Versorgung zusammenzubrechen: Toiletten laufen über, Lebensmittellieferungen kommen nur noch sporadisch, es gibt keine medizinische Versorgung für die Kranken und keine Möglichkeit, die Toten richtig zu begraben. Zwangsläufig beginnen die gesellschaftlichen Konventionen ebenfalls zu zerfallen -- eine Gruppe der blinden Insassen übernimmt die Kontrolle über die schwindende Lebensmittelversorgung und benutzt sie, um die anderen auszubeuten. Währenddessen bemüht sich die Frau des Arztes, ihre kleine Gruppe von blinden Schützlingen zu beschützen, und führt sie schließlich aus dem Asyl in die mittlerweile schrecklich veränderte Landschaft der Stadt zurück.
Die Stadt der Blinden ist in vielerlei Hinsicht ein erschreckender Roman. Er liefert eine detaillierte Beschreibung des totalen Zusammenbruchs der Gesellschaft nach einer überaus unnatürlichen Katastrophe. Saramago treibt seine Figuren bis an den Rand der Menschlichkeit und stürzt sie dann in den Abgrund. Seine Charaktere lernen, in unfaßbarem Schmutz zu leben, sie begehen Akte unbeschreiblicher Gewalt und erstaunlicher Großzügigkeit, die vor dieser Tragödie für sie unvorstellbar gewesen wären. Die gesamte gesellschaftliche Struktur verändert sich, um sich den neuen Umständen anzupassen -- einer Welt, in der einst zivilisierte Stadtbewohner zu zerlumpten Nomaden werden, die sich auf der Suche nach Nahrung von Gebäude zu Gebäude tasten. Der Teufel steckt im Detail, und Saramago hat sich für uns eine Hölle ausgemalt, in der diejenigen, die auf der Straße erblindeten, niemals mehr ihr Zuhause finden werden, in der Menschen gezwungen sind, Hühner roh zu verspeisen, und Rudel von Hunden auf der Suche nach Leichen über die kotübersähten Bürgersteige streunen.
Und dennoch, all diesem Horror hat Saramago Passagen von unübertroffener Schönheit entgegengesetzt. Als ihr von drei ihrer Schützlinge -- Frauen, die sie niemals sehen konnten -- gesagt wird, sie sei schön, "bricht die Frau des Arztes in Tränen aus wegen eines Personalpronomens, eines Adverbs, eines Verbs, eines Adjektivs, bloße grammatikalische Kategorien, bloße Etiketten, genau wie die zwei Frauen, die anderen, unbestimmte Pronomen, auch sie weinen, sie umarmen die Frau des ganzen Satzes, drei Grazien im Regen." Mit dieser einen Frau hat Saramago eine tapfere, vollentwickelte Figur geschaffen, die dem Leser als Augen und Ohren und als das Gewissen der Menschheit dient. Und er hat mit Die Stadt der Blinden eine gehaltvolle, letztlich transzendente Betrachtung geschrieben über das, was es bedeutet, Mensch zu sein. --Alix Wilber
Der Autor, Literatur-Nobelpreisträger des Jahres 1998, beschreibt eine Welt, von der ich mich zu Beginn vor Grauen abwenden wollte, die mich jedoch kraftvoll wie selten ein anderes Buch in ihren Bann gezogen hat. Sein Schreibstil ist anfangs sehr gewöhnungsbedürftig, da Satzzeichen nicht im herkömmlichen Sinne verwendet werden. ;-) Ich konnte mich allerdings schnell eingelesen, nach einer kurzen Gewöhnungsphase wirkte es auf mich nicht weiter störend.
Selten habe ich ein so beklemmendes Buch gelesen. Man wird einerseits in die Welt der Blinden und deren alltägliche Probleme eingeführt, andererseits offenbaren sich die Abgründe der menschlichen Natur, die in derlei Extremsituationen offen zutage treten. Ich habe mich auf die Welt dieses Buches eingelassen, es miterlebt, mitgefühlt. Und mich dabei jede Minute gefreut, diese Zeilen lesen zu können. So manch alltägliche Probleme erscheinen während und nach der Lektüre dieses Buches in einem anderen Licht. Hut ab vor einem Menschen, der dies mit seinen Zeilen bewirken kann!
... Lesen Sie weiter... ›Rasch kommen weitere Blinde hinzu, und ebenso rasch eskaliert die Situation. Bald sind es mehrere hundert, die Essensausgabe gerät zum Drama, verunsicherte Wachsoldaten erschießen einige Insassen, die orientierungslos herumirren, die Gänge des Irrenhauses werden als Aborte genutzt, und schließlich ergreift eine Gruppe von Dieben die Initiative, reißt die Nahrungsversorgung an sich und erpreßt die anderen Blinden – zuerst um deren Wertsachen, dann um ihre Frauen.
... Lesen Sie weiter... ›|
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