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Die Stadt der Blinden: Das Buch zum Film
 
 
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Die Stadt der Blinden: Das Buch zum Film [Taschenbuch]

Jose Saramago , Ray-Güde Merten
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (109 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 432 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Tb. (1. Oktober 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499249243
  • ISBN-13: 978-3499249242
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 427 Jahren
  • Originaltitel: Ensaio sobre a Cegueira
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 11,4 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (109 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 374.218 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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José Saramago
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

In einer unbekannten Stadt in einem unbekannten Land wird ein Mann, der in seinem Auto sitzt und darauf wartet, daß die Ampel auf Grün schaltet, plötzlich mit Blindheit geschlagen. Aber anstatt in Dunkelheit gestürzt zu werden, sieht dieser Mann plötzlich alles weiß, als ob er "in einem Nebel gefangen oder in einen milchigen See gefallen wäre". Ein barmherziger Samariter bietet an, ihn nach Hause zu fahren (um ihm danach das Auto zu stehlen); seine Frau bringt ihn mit dem Taxi in eine nahegelegene Augenklinik, wo er an den anderen Patienten vorbei in das Behandlungszimmer gebracht wird. Innerhalb eines Tages sind die Frau des Mannes, der Taxifahrer, der Arzt und seine Patienten und der Autodieb allesamt Opfer dieser Blindheit geworden. Als die Epidemie sich ausbreitet, gerät die Regierung in Panik und beginnt, die Opfer in einer leerstehenden Nervenheilanstalt unter Quarantäne zu stellen. Dort werden sie von Soldaten bewacht, die den Befehl haben, jeden, der zu fliehen versucht, zu erschießen.

So beginnt die Geschichte des portugiesischen Schriftstellers José Saramago über eine Menschheit im Belagerungszustand. Ein erheblicher Mangel an Absätzen, begrenzte Zeichensetzung und eingeschobene Dialoge ohne Anführungszeichen und Attribute erscheinen im ersten Moment als eine ziemliche Herausforderung, aber dieser Stil trägt tatsächlich zum Spannungsaufbau und zur Einbindung des Lesers bei.

In dieser Gemeinschaft von blinden Menschen gibt es noch ein Paar sehender Augen: die Frau des Arztes hat ihre Blindheit nur vorgetäuscht, um ihren Mann in die Quarantäne begleiten zu können. Als die Zahl der Opfer wächst und das Asyl aus allen Nähten platzt, beginnt die Versorgung zusammenzubrechen: Toiletten laufen über, Lebensmittellieferungen kommen nur noch sporadisch, es gibt keine medizinische Versorgung für die Kranken und keine Möglichkeit, die Toten richtig zu begraben. Zwangsläufig beginnen die gesellschaftlichen Konventionen ebenfalls zu zerfallen -- eine Gruppe der blinden Insassen übernimmt die Kontrolle über die schwindende Lebensmittelversorgung und benutzt sie, um die anderen auszubeuten. Währenddessen bemüht sich die Frau des Arztes, ihre kleine Gruppe von blinden Schützlingen zu beschützen, und führt sie schließlich aus dem Asyl in die mittlerweile schrecklich veränderte Landschaft der Stadt zurück.

Die Stadt der Blinden ist in vielerlei Hinsicht ein erschreckender Roman. Er liefert eine detaillierte Beschreibung des totalen Zusammenbruchs der Gesellschaft nach einer überaus unnatürlichen Katastrophe. Saramago treibt seine Figuren bis an den Rand der Menschlichkeit und stürzt sie dann in den Abgrund. Seine Charaktere lernen, in unfaßbarem Schmutz zu leben, sie begehen Akte unbeschreiblicher Gewalt und erstaunlicher Großzügigkeit, die vor dieser Tragödie für sie unvorstellbar gewesen wären. Die gesamte gesellschaftliche Struktur verändert sich, um sich den neuen Umständen anzupassen -- einer Welt, in der einst zivilisierte Stadtbewohner zu zerlumpten Nomaden werden, die sich auf der Suche nach Nahrung von Gebäude zu Gebäude tasten. Der Teufel steckt im Detail, und Saramago hat sich für uns eine Hölle ausgemalt, in der diejenigen, die auf der Straße erblindeten, niemals mehr ihr Zuhause finden werden, in der Menschen gezwungen sind, Hühner roh zu verspeisen, und Rudel von Hunden auf der Suche nach Leichen über die kotübersähten Bürgersteige streunen.

Und dennoch, all diesem Horror hat Saramago Passagen von unübertroffener Schönheit entgegengesetzt. Als ihr von drei ihrer Schützlinge -- Frauen, die sie niemals sehen konnten -- gesagt wird, sie sei schön, "bricht die Frau des Arztes in Tränen aus wegen eines Personalpronomens, eines Adverbs, eines Verbs, eines Adjektivs, bloße grammatikalische Kategorien, bloße Etiketten, genau wie die zwei Frauen, die anderen, unbestimmte Pronomen, auch sie weinen, sie umarmen die Frau des ganzen Satzes, drei Grazien im Regen." Mit dieser einen Frau hat Saramago eine tapfere, vollentwickelte Figur geschaffen, die dem Leser als Augen und Ohren und als das Gewissen der Menschheit dient. Und er hat mit Die Stadt der Blinden eine gehaltvolle, letztlich transzendente Betrachtung geschrieben über das, was es bedeutet, Mensch zu sein. --Alix Wilber -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Die Stadt der Blinden
OT Ensaio sobre a Cegueira OA 1995 DE 1997 Gattung Roman Epoche Gegenwart
Der parabolische Roman von José Saramago stellt in der Kombination realistischer und fantastischer Elemente die Frage nach den Grundlagen und der Belastbarkeit menschlichen und menschenwürdigen Zusammenlebens unter katastrophalen Bedingungen.
Inhalt: Ein namenloser Autofahrer erblindet von einer Sekunde auf die andere, während er an einer Ampel in einer ebenfalls namenlosen Großstadt wartet. Dem Zeitgenossen, der ihm behilflich ist, dann aber sein Auto entwendet, geschieht bald das gleiche. Der Augenarzt, der nun konsultiert wird, erblindet ebenso wie seine Patienten. Als das so genannte Weiße Übel epidemisch um sich greift, wird die Gruppe um den Arzt mit vielen anderen in einer ehemaligen Irrenanstalt interniert. Dabei ist die Frau des Arztes die einzige, die (bis zum Ende des Romans) sehen kann, dies aber zu verbergen sucht. Bei knapper Kost, ohne hygienische Einrichtungen oder irgendeine Betreuung versinken die Gefangenen im Chaos. Todesfälle häufen sich. Eine Gruppe von blinden Gewalttätern reißt die Macht an sich, plündert die anderen aus und vergewaltigt systematisch die Frauen. Erst deren Widerstand bringt eine Wende; die Frau des Arztes ersticht den Anführer beim Gewaltakt mit einer Schere, eine andere opfert sich, indem sie das Gebäude in Brand setzt. Die Freiheit erweist sich jedoch als neues Chaos: Alle Ordnungen sind inzwischen zusammengebrochen. In der Stadt suchen Horden von Blinden verzweifelt nach Lebensmitteln und Obdach. Der Frau des Arztes gelingt es, in ihrer alten Wohnung mit primitiven Mitteln das Zusammenleben der Gruppe zu regeln, wobei gegenseitige Fürsorge und Zuneigung eine wichtige Rolle spielen. Völlig überraschend gewinnen der erblindete Autofahrer und dann alle anderen ihre Sehkraft zurück.
Aufbau: Der Roman beginnt im realistischen Raum des modernen Großstadtverkehrs und im Ton eines allwissenden Erzählers mit humoristischen Untertönen. Bald aber zeigt sich, dass es sich trotz vieler realistischer Details um eine parabolische Erzählung handelt. In einer Krisen- und Prüfungssituation stehen das Verhalten aller Individuen und die sozialen Werte der Gemeinschaft auf dem Spiel. Ähnlich wie Albert R Camus in seinem Roman Die Pest (1947) legt auch Saramago nahe, dass es grundlegende menschliche Werte und Qualitäten gibt, die sich noch unter extremen Bedingungen bewähren.
Wirkung: Vielen Kritikern im In- und Ausland gilt Die Stadt der Blinden als Saramagos bester Roman. Das Stockholmer Nobel-Komitee würdigte ihn 1998 als ein auf eine »ungeheuerliche Art spannendes« Werk, das Etliches zu Saramagos literarischer Statur hinzufüge. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Beklemmend und fesselnd. Unbedingt empfehlenswert., 27. Oktober 2002
Rezension bezieht sich auf: Die Stadt der Blinden (Taschenbuch)
„Eine Ampel in einer namenlosen Stadt springt auf Grün. Ein Auto bleibt dennoch stehen. Der Fahrer ist urplötzlich erblindet. Den freundlichen Helfer, der den Erblindeten nach Hause bringt und sich anschließend dessen Auto bemächtigt, ereilt das gleiche Schicksal. Wie eine Epidemie greift die Blindheit um sich. Der Staat reagiert brutal. Die Erblindeten werden in einem leerstehenden Irrenhaus interniert, wo sie sich selbst überlassen werden. Doch es gibt eine Sehende unter ihnen, die die Krankheit nur vorgetäuscht hat, um bei ihrem Mann zu bleiben. Mit ihrer Hilfe könnte der Ausbruch gelingen..."

Der Autor, Literatur-Nobelpreisträger des Jahres 1998, beschreibt eine Welt, von der ich mich zu Beginn vor Grauen abwenden wollte, die mich jedoch kraftvoll wie selten ein anderes Buch in ihren Bann gezogen hat. Sein Schreibstil ist anfangs sehr gewöhnungsbedürftig, da Satzzeichen nicht im herkömmlichen Sinne verwendet werden. ;-) Ich konnte mich allerdings schnell eingelesen, nach einer kurzen Gewöhnungsphase wirkte es auf mich nicht weiter störend.

Selten habe ich ein so beklemmendes Buch gelesen. Man wird einerseits in die Welt der Blinden und deren alltägliche Probleme eingeführt, andererseits offenbaren sich die Abgründe der menschlichen Natur, die in derlei Extremsituationen offen zutage treten. Ich habe mich auf die Welt dieses Buches eingelassen, es miterlebt, mitgefühlt. Und mich dabei jede Minute gefreut, diese Zeilen lesen zu können. So manch alltägliche Probleme erscheinen während und nach der Lektüre dieses Buches in einem anderen Licht. Hut ab vor einem Menschen, der dies mit seinen Zeilen bewirken kann!

Fazit: Ein beklemmendes, aber sehr fesselndes Werk - unbedingt empfehlenswert, daher volle 5 Sterne!

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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen "Es gibt viele Arten, zum Tier zu werden", 17. Januar 2006
Von 
Christian von Montfort (Barcelona, Katalonien) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Stadt der Blinden (Taschenbuch)
Mitten in der Stadt erblindet plötzlich ein Autofahrer an einer Ampel. Kurz darauf Passanten, seine Frau, der Arzt - eine Epidemie greift um sich. Der Staat reagiert zunächst brutal, er kaserniert die Kranken, es kommt sogar zu Erschießungen. Schließlich bricht der Staat selbst zusammen, das Ende versinkt in völliger Anarchie.

Die Story an sich ist interessant, aber nur begrenzt auf Spannung ausgelegt. Saramago, der Nobelpreisträger von 1998, beschreibt die Entwicklungen im Verhalten der Menschen. Rücksichtslosigkeit, Machtlosigkeit, Verzweiflung prägen die Stimmung. Es dauert nicht lange, bis in der bestehenden Ausnahmesituation die menschlichen Werte und Rechte hinfällig werden. Ein übernervöses Militär arbeitet nur nach Befehl, lässt auch sinnvolle Ausnahmen nicht zu, überreagiert. Unter den Blinden machen sich Hass und Übervorteilung breit - es gilt das Recht des Stärkeren, was unter Anderem in der Erpressung 'Nahrung gegen Vergewaltigung' gipfelt. Einer der Schlüsselsätze ist vielleicht die Aussage: "Wir waren schon blind in dem Augenblick, in dem wir erblindet sind". Und auch: "Kämpfen war immer mehr oder weniger eine Form der Blindheit".

Einen Kontrast dazu bildet während des ganzen Buches eine Frau, die ihre Sehkraft bewahrt hat, darüber vor Angst jedoch schweigt. Als Einzige wahrt sie die Würde und schafft es, für eine kleine Gruppe Blinder die Menschlichkeit zu bewahren. Angesichts einer Welt voller Gewalt - wie blind sind wir selbst?
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28 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Kompromissloses, literarisches Meisterwerk, 18. Juli 2008
Von 
Roland Freisitzer "freisitzer" (Vienna, Austria) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Stadt der Blinden (Taschenbuch)
Ein Mann erblindet plötzlich, am Steuer seines Autos, an einer Ampel auf Grün wartend, ihm wird geholfen, in rasantem Tempo erblinden immer mehr Menschen, bis sich die Regierung gezwungen sieht, die erblindeten Menschen von den sehenden Menschen zu trennen, die Erblindeten also in Lager zu stecken, die von Soldaten bewacht werden. José Saramago lässt den Leser an den Schicksal einer kleinen Gruppe von Menschen teilhaben, die "Namenlos"- der Augenarzt (oder auch nur der Arzt), die Frau des Arztes, die junge Frau mit der dunklen Brille, der schielende Junge, der erste Blinde und andere- bleiben. Einzig die Frau des Arztes behält aus unerklärlichen Gründen ihr Sehvermögen und bleibt bei ihrem Mann, indem sie Blindheit vortäuscht. Erst nachdem die ganze Stadt erblindet ist, gelingt der Gruppe die Flucht.
José Saramago lässt den Leser am Verfall der Moral (unter den Blinden erhebt z.B. eine "terroristische Gruppe" Anspruch auf die Herrschaft und verkauft das von ihr den anderen weggenommene Essen), ohne moralistisch zu sein, der Ethik, am Verfall des Menschseins per se teilhaben, er zeigt aber auch, dass es wohl möglich ist, in einer Situation wie dieser, Mensch zu bleiben, auch wenn die Umstände es fast unmöglich machen. Auch Liebe, und vorrangig, der Glaube an die Liebe, der ungebrochen bleibt, auch wenn man nicht sicher ist, ob man den nächsten Tag noch erleben wird. Ich denke, das ist auch genau die Botschaft (wenn man so will), die José Saramago dem Leser vermitteln will. Wenn man die Geschehnisse abstrakt betrachtet, merkt man rasch, wie sehr José Saramago mit Symbolik arbeitet. Beispiele für die gruppendynamischen Aktionen, für das Ausgrenzen von "Randgruppen", sowie für die opportunistische "Mitläufer-Täter-Rolle" findet man in den dunklen Kapiteln unserer Geschichte (und auch unserer Gegenwart) leider schnell. Großartig finde ich (anders als einige Rezensenten vor mir, die eben das als Schwachpunkt gesehen und bewertet haben), dass José Saramago gar nicht erst versucht, uns die alles erfassende Blindheit, bzw. die Nichterblindung der Frau des Arztes zu erklären, ich denke, die Ursache ist in diesem Fall nicht wichtig.
Wenn man bereit ist, diese beeindruckende und ungewöhnliche Prosa (falls "Die Stadt der Blinden" des Lesers erste Berührung mit José Saramagos Welt ist) auf sich wirken zu lassen, ist man schnell vom Sog dieser Prosa verzaubert und gefangen.
Ein beeindruckender, ein großer, ein wichtiger Roman, der zum Nachdenken anregt, ein Roman, der lange nachklingt. Ein Roman, der Stellung nimmt und kompromisslos auf seiner Linie bleibt. Ein Meisterwerk.
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