Schwerstes Kunstdruckpapier und solider Einband machen sofort darauf aufmerksam: Dieses Werk ist für den professionellen Einsatz und den Gebrauch in öffentlichen Bibliotheken über viele Jahre bestimmt. Sehr wahrscheinlich wird es, abgesehen von weiter denkbaren Ergänzungen und Lückenschließungen, über viele Jahrzehnte das Standardwerk für Bibliotheken, Museen, Antiquariate, Antiquitätenhändler und Sammler für gedruckte Berliner Stadtansichten bleiben. Mit über 4200 beschriebenen und überwiegend auch abgebildeten Ansichten in diesen beiden Teilbänden des ersten, die Jahre 1570 bis 1870 enthaltenden Bandes, übersteigt das auf zwei Bände geplante Werk schon jetzt alles in dem Fachgebiet bisher da gewesene. Das Werk gliedert sich in drei Hauptteile. Es beginnt mit einem Textteil. Hier erhält der Leser zur Orientierung eine kurze, fast ganz auf die Kürfürsten und Könige zentrierte Geschichte Preußens; eine Abgrenzung dessen, was hier als Stadtansicht verstanden wird und eine Geschichte der Entwicklung der gedruckten Stadtansichten vom Holzschnitt bis zur Farblithografie. Dem folgt dann das Künstlerlexikon, in dem die Stadtansichten ihren Künstlern mit einer Werknummer zugeordnet, die Stecher, Drucker, Maße und das Jahr der Entstehung genannt und ggf. die Abbildungen eingefügt werden. Der dritte Teil ist das Lexikon der abgebildeten Bauwerke. Beide Lexika sind akribisch ausgeführt. Bauwerke, die aus dem Stadtbild seit vielen Jahrzehnten verschwunden oder durch spätere Umbauten verändert oder verstümmelt sind, erstehen hier in ihrer historischen Entwicklung vor dem Auge des Betrachters mit vielen Abbildungen wieder. Das Lexikon der Bauwerke erlaubt auch die anonym überlieferten Stadtansichten, systematisch in das Werk einzugliedern. Natürlich ist dem Band eine DVD beigefügt, die die Arbeit mit den allein wegen des Gewichtes ohne feste Unterlage unhandlichen Bänden beschleunigt und erleichtert. Vor allem kann man damit auf dem Bildschirm den meist nur als Miniatur im Buch vorhandenen Abbildungen die oft vermisste Ansichtsgröße geben. Für alle, die das Werk nicht rein professionell nutzen, ist diese DVD aber nur ein vollkommen unbrauchbares Ärgernis, weil über jede Abbildung in großer, roter Schrift diagonal auf die Urheberrechte verwiesen wird. Hier hätte sensibler die wirtschaftliche Verwertung von Raubkopien ausgeschlossen werden können. Dann wäre auch den Amateuren im Gebiet der Berliner Stadtgeschichte und denen, die einfach nur ein außerordentliches "Coffee Table Book" suchen, die Anschaffung lohnend.