Vor etwa 12000 Jahren existierte eine bislang unbekannte Hochkul-tur. die geniale Leistungen in Geometrie, Mathematik, Astronomie und Architektur erbrachte. Als sich zu diesem Zeitpunkt - klimatisch bedingt am Ende der letzten Eiszeit - der Untergang dieser Zivilisation abzeichnete, verbreiteten sich Gruppen dieser Kultur in alle Welt, um den Fortbestand ihrer naturwissenschaff-lichen Kenntnisse sicherzustellen. Die Kenntnisse der Hochkulturen der alten und neuen Welt sind diesen Kulturbringern zu verdanken. Von diesem - an Atlantis erinnernden - Szenario ist der britische Journalist Graham Hancock überzeugt (er wurde 1992 mit dem Buch DIE WÄCHTER DES HEILIGEN SIEGELS - AUF DER SUCHE NACH DER VERSCHOLLENEN BUNDESLADE bekannt). Beweise für seine Hypothese sieht Hancock nicht nur in Mythen und Legenden von weisshäutigen bärtigen Kulturbringern und monumentalen Bauwerken. sondern auch in Kartenmaterial aus dem 15. Jahrhundert. Diese Karten, die das Festland der Antarktis in vielen Details richtig wiedergeben, veranlassten Hancock auch zu der gewagten Annahme, die Heimat dieser Ur-Hochkultur eben sei der eisfreie Südpol gewesen. Anders als die Seefahrer eines Thor Heyerdahl sei es für Hancocks Zivilisatoren ein leichtes gewesen, in allen Teilen der Welt aufzutauchen. Es ist eindrucksvoll. wenn Hancock in seinem Werk die Vorzeiträtsel dieser Welt aneinanderreiht (Tiahuanaco - leider ohne die dokumentarischen Aufnahmen E. v. Dänikens -, die Legenden der Maya, die Pyramiden Ägyptens, nichts wird ausgespart). Dünn ist jedoch das Eis, wenn er die Antarktis als Wiege der Menschheit propagiert - eine Hypothese übrigens, die gar nicht so neu ist und die bereits vor einigen Jahren ein deutscher Autor, allerdings ohne sich damit durchsetzen zu können, in einem in kleiner Auflage publizierten Buch in die Öffentlichkeit brachte. Ein «Rutschen» der Erdkruste über den Erdmantel, wie Hancock vermutet, ist eine umstrittene und durch nichts belegbare Theorie. Auch die Anthropologie, auf die er bedauerlicherweise nicht eingeht, bietet bis heute kein einziges Indiz für eine Ausbreitung des Menschen bis hin zur (eisfreien) Antarktis - oder sogar vondort. Und eine Antwort auf die Frage, ob eine Hochkultur, isoliert auf einem Kontinent entstanden. nicht weltweit mehr Spuren ihrer Technologie/Infrastruktur hinterlassen müsste, fehlt ebenso. Schliesslich bleibt das alte Problem, warum die Kulturbringer aus der Antarktis erst Jahrtausende nach dem Untergang dieser Zivilisation (in Ägypten zum Beispiel 6000 Jahre danach, bei den Maya sogar 10000 Jahre danach) mit ihrer fruchtbaren Arbeit begannen - und wo sie dann in den letzten 2000 Jahren geblieben sind. Fraglos gelingt es dem Autor, seine Leserschaff durch seinen Erzählstil zu fesseln. Dabei verzichtet er darauf, den Besuch menschenähnlicher ausserirdischer Raumfahrer als Erklärungsmöglichkeit in Erwägung zu ziehen (nebenbei bemerkt: wenn diese Antarktis-Zivilisation bereits so weit fortgeschritten gewesen wäre wie Hancock glaubt: sollte es ihr dann nicht möglich gewesen sein, ihre Kultur auch durch den dicken Eispanzer hindurch in irgendeiner Form zu dokumentieren?). In jedem Fall ein provokantes Buch, das gerade durch seine Widersprüchlichkeit empfehlenswerte Lektüre für Liebhaber von Spekulationen über die Rätsel der Vergangenheit bildet.