Wie üblich geht es in dieser Geschichte mal wieder um die kleinen und großen Verbrechen in und um das Städtchen Vigata. Montalbano wacht eines Morgens auf und findet ein verendetes Pferd vor seinem Haus. Als die "Astronauten" dann kommen, das Tier zu beseitigen, ist es verschwunden. Obwohl überhaupt nicht zuständig beginnt Montalbano gemeinsam mit seinem bewährten Team (Mimi Augello, Fazio, Gallo, Galluzzo und natürlich nicht zu vergessen Catarella) die Ermittlungen aufzunehmen. Dabei bewegen sie sich im Dunstkreis von Kleingaunern, der sizilianischen High-Society, der Mafia, aber in diesem Fall auch von illegalen Pferderennen. Aber das hängt ohnehin alles zusammen. Die Frauen spielen dabei, wie üblich, eine nicht unerhebliche Rolle, und in zunehmendem Maße auch das Alter, dass hier in Form einer Fehlsichtigkeit präsentiert wird.
Zuerst einmal: Ich liebe die Erzählungen von Andrea Camilleri, vor allen Dingen seine Geschichten um den Commissario Montalbano und das Städtchen Vigata.
Seine Geschichten bewegen sich immer in diesem kleinen sizilianischen Kosmos, verlieren aber den großen Zusammenhang nie aus den Augen. Wie auch? Steht doch dieser Mikrokosmos stellvertretend für die gesamte italienische Gesellschaft mit ihren "Verwerfungen". Montalbanos Welt wirkt wie eine große Familie in der es leider immer auch schwarze Schafe gibt. Die Gauner sind zwar böse, aber nie so böse, dass man ihnen wirklich ewig böse sein könnte. Und auch Montalbano ist nie so gut, als dass er über allem stehen und erhaben sein würde. Er gehört zu ihnen und seine Aufgabe ist es in erster Linie, die schwarzen Schafe ein bisschen weißer zu machen. Und sei es nur deshalb, um selbst nicht mehr ganz so weiß dazustehen. Immer aber für die gerechte Sache, auch wenn das bedeutet von Zeit zu Zeit mit den schwarzen Schafen gemeinsame Sache machen zu müssen.
Es sind nicht unbedingt die tiefen Abgründe, die Camilleri interessieren. Es sind mehr die Grau- oder Zwischentöne in denen sich das Leben, mit all seiner Tragik, aber auch seiner Komik abspielt. Commissario Montalbano wirkt auch deshalb so sympathisch, weil er sich "selbst persönlich" (Zitat Catarella) immer in diesem Spannungsfeld bewegt und das auch sehr bewusst tut. Deutlich wird das immer wieder an seinem Verhältnis zu den Frauen. Auf der einen Seite genießt er die Begehrlichkeiten und Verlockungen des schönen Geschlechts ihm gegenüber, auf der anderen Seite steht seine Moral - auch mal in Form einer kalten Dusche, sich diesen Verlockungen zu erwehren. Seine Langzeitfernbeziehung Livia taucht inzwischen nur noch in Telefonaten auf, die dann auch in der Regel unerfreulich enden. Sie wirkt eigentlich nur noch wie DIE letzte moralische Instanz, die ein völliges Abgleiten in sexuelle Promiskuität verhindert. Aber selbst das funktioniert nicht immer.
Mit Commissario Montalbano gelingt es Camilleri auch das typisch italienische Männerbild ein wenig gerade zu rücken. Er tut das ohne dabei übermäßig zu psychologisieren, sondern eher beiläufig, vor allen Dingen immer mit dem nötigen Augenzwinkern. Das sogenannte Machogehabe ist eben nicht Ausdruck von Stärke sondern eher von Schwäche. Es wirkt zunehmend komisch, insbesondere vor dem Hintergrund des Älterwerdens. Die Frauen kommen bei ihm ohnehin in der Regel besser weg. Auch 'ohne' Moral und kalte Dusche!
Es mag Menschen geben, die die Bücher um Montalbano banal finden, sprachlich einfach, ohne Tiefgang. Camilleris Bücher sind sicherlich nicht sprachgewaltig zu nennen, aber in meinen Augen hat er eine Sprache gefunden, die seinen Protagonisten angemessen ist, ohne dabei flach zu werden. Er ist in der Lage das Tempo zu ändern; neben rein erzählerischen Passagen, gelingt es ihm immer wieder inne zu halten und bestimmte Gedanken zu vertiefen, ohne sich dabei zu sehr zu verzetteln. Das Gleiche gilt übrigens auch für die Dialoge, die mitunter barsch aber durchaus auch flapsig daherkommen. Das dient aber immer der Sache oder der Geschichte und verkommt nie zum Selbstzweck oder zur Selbstdarstellung. Die Übersetzung fängt das gut ein. Man kann das Alles flott und flüssig lesen.
'Die Spur des Fuchses' ist kein überragender, aber doch ein sehr lesenswerter Roman der Montalbano-Reihe. Er zeichnet sich durch die typischen Zutaten Camilleri'schen Erzählens aus. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Alles in Allem: Empfehlenswert!