Ich habe das Buch zu Weihnachten bekommen, weil bekannt ist, dass ich mich als begeisterter Segler für alles interessiere, was mit Wind zu tun hat. Das Buch vom Mare Verlag ist ansprechend gestaltet und ich stürzte mich sofort drauf. Ich erwartete mir eine faszinierende Mischung von Biographie und literarischer Gestaltung wie etwa in Sten Nadolnys "Entdeckung der Langsamkeit" oder Erskine Childers' "Das Rätsel der Sandbank", um nur zwei Beispiele zu nennen. Meine Erwartungen wurden aber so sehr enttäuscht, dass ich jetzt - ganz entgegen meinen sonstigen Lesegewohnheiten - auf Seite 204 aufgegeben habe.
Es ist die Geschichte eines Journalisten, der eher zufällig auf Beauforts Windskala gestoßen ist und sich in dieses Thema verbissen hat. Als leider eher unbedarfter Forscher versucht er, die Entstehung und die Bedeutung der Skala aufzudecken. Dabei gibt er aber auf, sobald sich ein Widerstand oder eine Unklarheit zeigt und fängt irgendwo anders an zu recherchieren. Dadurch kommt es zu unzähligen Wiederholungen, Details werden breit ausgewalzt, überhaupt hat der Text etwas Zufälliges, er ähnelt einem ausgeschütteten Zettelkasten eher als einem durchkomponierten Text.
Ärgerlich sind die Abbildungen: Reprints der Beaufortskala in verschiedenen Publikationen mit minimalen Änderungen und Karten Beauforts sind so klitzeklein abgedruckt, dass es unmöglich ist, darauf irgendetwas zu erkennen. Unerträglich ist dann die Passage, wo der Autor beschreibt, wie er auf dem Großsegler "Europa" eine Woche ohne Wind verbringt, und wo er dann versucht das Erlebnis des Segelns in Worte zu fassen. Wenn ich keinen blassen Schimmer von Autos habe, schreibe ich nicht über die Formel 1!
Ich glaube kaum, dass ich noch die Energie aufbringen werde, mich durch die restlichen 70 Seiten (bis zu den Anhängen) durchzuquälen.