David Baldacci hat sich entgegen vieler anderer Werke aus seiner Feder mit seiner Thrillerreihe rund um den sogenannten Camelclub wahrlich kein Glanzstück geleistet. Die bisherigen 3 Thriller zeichneten sich vielmehr durch ziemlich verworrene und krude Storys aus und einem Baldacci-untypischen schlechten Spannungsbogen. Auch die vier Mitglieder des Camel Clubs, allen voran der ehemalige Geheimdienstler und Vietnamveteran Oliver Stone alias John Carr, waren vollkommen unrealistisch skizziert und überzeichnet dargestellt.Aus Sicht vieler Rezensenten incl. meiner ein absoluter Tiefpunkt Baldaccis.
Dass ich mir den neuen Thriller dann doch gekauft habe, war eher dem Umstand geschuldet, dass mir nicht bewußt war, dass es sich um Nr. 4 der Camel-Club-Reihe handelt.
Und ich gestehe, "Die Spieler" ist ein Thriller, der mich positiv überrascht hat. Zwar sind die handelnden Personen aus den bisherigen Romanen die gleichen, ergänzt durch die Trickbetrügerin Annabelle Conroy, aber in diesem Roman haben die Protagonisten Profil, geben sich natürlich (auch wenn sie weiterhin ihre Macken haben) und realistisch und erleben eine Story (eigentlich sind es zwei Handlungsstränge), die einen gelungenen Spannungsbogen, viele unerwartete Wendungen und ein passendes Finale hat.
Die Story(s):
Annabelle Conroy hat den skrupellosen Casinobesitzer Jerry Bagger, der vor Jahren ihre Mutter ermordet hat und auch sonst einiges Blut am Stecken trägt, um sage und schreibe 40 Millionen Dollar erleichtert. Doch dieser lässt diese Schmach nicht auf sich sitzen und versucht Annabelle auffindig zu machen, um sich an ihr zu rächen. Diese wiederum bitte ihre Freunde des Camel Clubs um Unterstützung, mit dem Ziel, Bagger entgültig zur Strecke zu bringen.
Gleichzeitig werden ehemalige Geheimdienstler aus dem früheren Umfeld John Carrs nacheinander ermordet. Auch sein Erzfeind Carter Gray steht auf der Liste des mysteriösen Killers, der sich für die Ermordung seines Vaters rächen will. Als Carter Gray einem Anschlag knapp entgeht, aber für tot gilt, sieht er seine Chance gekommen, sich zum einen auf die Suche nach dem Killer zu machen und John Carr zu opfern. Dabei geht er skrupellos und perfide vor.
Die beiden Storys haben nichts miteinander zu tun und doch ist es Baldacci gelungen, sie in seinem Thriller als eine Story darzustellen. Er verzichtet dabei angenehmerweise auf all die Überzeichnungen seiner Vorromane, hat den Plot clever und einigermaßen realistisch gezeichnet und baut langsam, aber kontinuierlich Spannung auf, die er bis zum Ende des Romans halten kann. "Die Spieler" liest sich ausgesprochen flüssig und fesselt den Leser fast von der ersten Seite an. Dass es aus meiner Sicht nur für 4 Sterne reicht, ist dem Umstand geschuldet, dass manche Ereignisse einfach zu sehr konstruiert und manche Wendungen doch zu zufällig erscheinen. Aber dies tut der Tatsache keinen Abbruch, dass mit "Die Spieler" der Camel Club unerwartet die Kurve gekriegt hat und Baldacci in alter Stärke zeigt. Ich gestehe, ich freue mich - auch wegen des besonderen Endes - auf eine Fortsetzung der Reihe.