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Die Soziologie von Norbert Elias: Eine Einführung in ihre Geschichte, Systematik und Perspektiven (Studientexte zur Soziologie)
 
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Die Soziologie von Norbert Elias: Eine Einführung in ihre Geschichte, Systematik und Perspektiven (Studientexte zur Soziologie) [Taschenbuch]

Annette Treibel
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 113 Seiten
  • Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften; Auflage: 2008 (12. September 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3531160818
  • ISBN-13: 978-3531160818
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 14,6 x 0,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Annette Treibel
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Produktbeschreibungen

Werbetext

Die aktuelle und systematische Einführung in die Soziologie von Norbert Elias

Kurzbeschreibung

Norbert Elias (1897 – 1990) gehört zu den Klassikern der Soziologie und ist ein herausragender Gelehrter und eindrucksvoller Zeitzeuge des 20. Jahrhunderts. Berühmt geworden ist er durch sein Werk ‚Über den Prozeß der Zivilisation’. Dadurch gilt er als Begründer der Zivilisations- und Prozesstheorie. In seinen zahlreichen weiteren Schriften behandelte er ein breites Spektrum von Themen: Darunter das Ergänzungsverhältnis von Natur und Kultur, die Wandlungen von Begriffen in Alltags- und Wissenschaftssprache, die Tabuisierung des Sterbens in der Gegenwartsgesellschaft und die Soziologie des Fußballs. Im Kern ist die Eliassche Soziologie eine Interaktions- und Machttheorie, die jedoch ihren ganz eigenen Blick auf die Menschen richtet. Menschen sind grundsätzlich, so Elias, wechselseitig aneinander orientiert und voneinander abhängig. Ihre Verflochtenheit in solchen, wie er es nennt, ‚Figurationen’ treibt die gesellschaftliche Entwicklung voran. Annette Treibel, Mitherausgeberin der Gesammelten Schriften von Norbert Elias, führt übersichtlich und anschaulich in die Gedankenarbeit von Elias ein. Es werden die zentralen Problemstellungen und begrifflichen Werkzeuge erschlossen, die man für ein umfassendes Verständnis und die weitere Forschung benötigt. Die Theorie von Norbert Elias eröffnet Perspektiven für die Soziologie des 21. Jahrhunderts.


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
19 Bände auf 100 Seiten 13. Oktober 2008
Format:Taschenbuch
Auf hundert Seiten führt die Autorin in die Ansichten eines Denkers ein, dessen gesammelte Schriften aus sieben Jahrzehnten neunzehn Bände füllen. Erfreulicher Weise ohne jeglichen Soziologenjargon vermittelt sie einen Überblick über Elias' Hauptthemen. Man liest und versteht ohne Mühe und erfährt eine Menge. Ein Werkverzeichnis und eine Auswahl von Sekundärliteratur schließen den schmalen Band ab.

Nach einer kurzen Lebens- und Rezeptionsgeschichte stellt die Autorin als Leitmotiv der eliasschen Gedankenarbeit sein Interesse für gesellschaftliche Veränderungen vor, nicht für die Wandlungen als solche, sondern für die Ordnung des Wandels, dem sie unter den Zwischenüberschriften "Interdependenzen und relative Autonomie", "Psycho- und Soziogenese im Zivilisationsproezeß", "Das Gewordensein von Begriffen", "Die Langfristigkeit sozialer Prozesse", "Menschen als Prozesse", "Figurationen in Bewegung", "Macht- und Anerkennungskämpfe in Wissenschaft und Gesellschaft" und "Menschenwissenschaftliches Denken im Plural" einzelne Themen zuordnet.

Hier würden vielleicht einige zusätzliche Anmerkungen dem Leser die großen Linien, die Elias verfolgt, noch deutlicher machen.

Das zugrundeliegende Ordnungsmuster des sozialen Wandels hat Elias so benannt: "Man kann ... zwei Hauptrichtungen gesellschaftlicher Strukurwandlungen unterscheiden: Strukturwandlungen in der Richtung einer zunehmenden ... und ... abnehmender Differenzierung und Integrierung." Er zeichnet nach, wie sich die selbstversorgenden Bauern- und Kriegergesellschaften des Europas um die erste Jahrtausendwende in generationenlangen Ausscheidungskämpfen bis zum Zeitalter des Absolutismus durch Ausbildung von Steuer- und Gewaltmonopolen zu zunehmend stabilen Herrschaftseinheiten integrierten, auf denen die heutigen Staaten wurzeln, und wie die Wandlung des Gesellschaftsaufbaus bei immer größeren Bevölkerungsteilen eine Differenzierung des Verhaltens in Richtung zunehmend gleichmäßiger Dämpfung der angeborenen Affekte erzeugte und erforderte.

"Zunehmende Differenzierung und Integrierung" ist für Elias zugleich ein Schlüsselwort für das Verhältnis zu den Naturwissenschaften und ihren Gegenstandsbereichen. Jede Wissenschaft erarbeitet Modelle. Auf physikalischer Ebene zu Molekülen integrierte Atome bleiben bei Lösung der Sythese unverändert. Deswegen konnten Physiker erfolgreiche Erklärungsmodelle entwickeln, für die ihre Untersuchungsgegenstände tatsächlich oder gedanklich in Unterheiten aufgelöst werden. Je komplexer sich Atome zu Großmolekülen, Zellen, Organismen, Gesellschaften integrieren, umso mehr sind die Untereinheiten aufgrund ihrer Funktion für die höheren Integrationsstufen untereinander differenziert. Die Untereinheiten haben Eigenschaften, die sie nur aufgrund ihrer Integration auf höherer Stufe haben. So sind verschiedene Zelltypen eines Organismus nur durch ihre Funktionen für den Organismus entstanden und ohne diese Funktionen so wenig erklärbar, wie herausgelöste Einzelzellen einen Organismus verständlich machen. Gesellschaften bilden eine weitere, höhere Integrationsstufe. Untersuchungen an einzelnen Menschen können gesellschaftliche Phämomene nicht erschöpfen. "Entsprechend dem gerichteten Wandel, der sich in den Eigentümlichkeiten der Gegenstandsgebiete beobachten läßt, wenn man deren Sequenz in Gedanken von den Gegenstandsgebieten der physikalischen über die der biologischen zu denen der Menschwissenschaften hin abschreitet, läßt sich auch ein Kontinuum der Gegenstandsmodelle beobachten, das deutlich zutage tritt, wenn man in Gedanken von den Modellen der physikalischen Naturwissenschaften zu denen der Menschenwissenschaften hinschreitet. Die Wissenschaftstheorie ... verlangt nach einer Synthese, einem Modell der Modelle."

Die Autorin schreibt eher zu harmlos, es bestehe kein Grund, die physikalischen Wissenschaften zur absoluten Norm zu erheben. Für Elias ist Soziologie so lange keine Wissenschaft, wie sie fremde Methoden kopiert. Er sieht sich - mit gewissem Recht, wie der Rezensent meint - als Pionier, mit dem die Soziologie erst den sicheren Gang einer Wissenschaft gewonnen hat. Das deutet die Autorin vorsichtig an, Elias hat es hier und da direkt gesagt: " ... hätte die Fachdisziplin der Soziologie bereits jene Phase der wissenschaftlichen Reife erreicht, in der sich gegenwärtig viele der naturwissenschaftlichen Disziplinen befinden, ..." oder "auf der menschlich-gesellschaftlichen Ebene ist ein [den Naturwissenschaften] vergleichbarer Durchbruch zu einem angemessenen Wissen und einer zuverlässigeren Kontrolle trotz einer ganzen Reihe proto- und pseudowissenschaftlicher Fortschritte bisher nicht erreicht worden" oder " ... bin ich ... gegen alle Modeströmungen gefeit geblieben, ob Sartre, Wittgenstein, Popper oder Parsons und Levi-Strauss. Nun habe ich langsam das Gefühl, dass ich mich, vielleicht etwas spät, durchgekämpft habe".

Daß er auf zeitgenössische Soziologen kaum eingeht, liegt auf dieser Linie. Er tut es so wenig, wie sich etwa ein Evolutionsbiologe im einzelnen mit den Ansichten von Kreationisten auseinandersetzt, die für ihn schon im Ansatz verfehlt sind.

Ein unerwähntes lebenslanges Leitmotiv für Elias' Wissenssoziologie war die Korrektur der Transzendantalphilosophie Kants. Als junger Mann will Elias klarmachen, daß "die Sache mit dem a priori nicht stimme ... daß alles, was Kant als zeitlos und vor aller Erfahrung gegeben hinstellte, sei es die Vorstellung von einer Kausalverknüpfung, die der Zeit oder die natürlicher oder moralischer Gesetze, zusammen mit entsprechenden Worten von anderen Menschen gelernt werden müssen, um im Bewußtsein des einzelnen Menschen vorhanden zu sein." Mit Absicht trennt er Erkenntnis- und Wissenstheorie nicht. Im Alter spottet er ungewohnt heftig: "Sie [die Transzendentalphilosophen] sind wie Menschen, die in einen Raum eingeschlossen sind, aus dem sie zu entkommmen versuchen. Sie versuchen die Fenster zu entriegeln, aber die Fenster widerstehen. Sie klettern den Schornstein hinauf, aber der Schornstein ist verstopft. Jedoch die Tür ist nicht verriegelt; sie ist die ganze Zeit offen. Wenn sie es nur wüßten, könnten sie den Raum leicht verlassen. Aber sie können die Tür nicht öffnen, weil so vorzugehen mit den Regeln des Spieles nicht übereinstimmen würde, die sie als Philosphen sich selbst gesetzt haben. Sie können die Tür nicht öffenen, weil es unphilosophisch wäre."

Elias nimmt einen angeborenen magisch-mythischen Primärmodus des Erlebens an. Was immer Menschen im Primärmodus an Bedeutsamem begegnet, wirft wie eine menschliche Handlung Fragen nach seinem Zweck und Ziel und nach der Person auf, die so handelt (Animismus). Im Primärmodus erleben die Menschen die Welt als eine Gesellschaft menschenähnlicher Geister. Den Umgang mit ihren Absichten lehren gesellschaftlich tradierte Märchen, Mythen, Beschwörungssprüche, Orakel u.ä.. Wiederholt erzählt er dazu eine Anekdote: Nach einer Mondfinsternis weigerte sich ein Trupp afrikanischer Soldaten, geführt von einem französischen General, weiterzumarschieren; der Prophet Johannes habe seinen Mantel über den Mond gehängt als Zeichen, daß alle gegenwärtigen Unternehmungen sofort zu unterbrechen seien; Zuwiderhandlungen seien äußerst gefährlich. Um sie zu beruhigen, erklärte der Offzier den Afrikanern die Himmelsmechanik der Mondverschattung; ob sie das verstanden hätten? Als sie bejahten, wiederholten sie auf sein "Dann also los" wieder nur, das sei unmöglich, denn, wie der Herr General selbst gesehen habe, habe sich der Mond verfinstert, was, wie jeder wisse, bedeute, daß jedes Unternehmen auszusetzen sei.

Für Menschen, die die Vorstellung von einer Kausalverknüpfung nicht von anderen Menschen gelernt haben, ist eine Erklärung in mechanischen Begriffen sinn- und belanglos. Einen ersten Absprung in die Wissenschaft sieht Elias im alten Griechenland, einen kurzen, heftigen Entmythologisierungsschub; dessen Erbe konnte man im remythologisierten Mittelalter "wohl ehrfürchtig verwalten, aber nicht hoffen, gleiches zu leisten oder gar darüber hinauszukommen". Ab der Renaissance setzte in Europa dann ein neuer, im Generationenstrom tradierter, weit darüber hinausgehender Entmythologisierungsschub ein. Voraussetzung waren und sind Dämpfungen der Erlebensaffekte, denen Elias im Detail nachgeht, hervorgebracht durch zunehmende gesellschaftliche Integration und Differenzierung, die Menschen dazu bringen, sich selbst als Erlebende zu beobachten.

Bei Gelegenheit könnte schließlich ersetzt werden, daß "Über den Prozeß der Zivilisation" 1939 zuerst nicht im Verlag Francke erschien, sondern im Verlag Haus zum Falken, vielleicht nicht ganz nebensächlich, weil der Verleger ein Exilierter war wie Elias.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Vielseitiger Überblick 22. August 2010
Format:Taschenbuch
Ein netter kleiner Überblick über Leben und Werk von Norbert Elias.

Persönlich fände ich eine bessere Strukturierung der einzelnen Themenkomplexe hilfreich.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Der Menschenwissenschaftler,, 27. September 2009
Von Helga König #1 HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Immer wieder denke ich an eine Aussage von Norbert Elias, der über unsere aktuelle Zeit sagte, dass sie das Ende des Zeitalters der Barbaren sei. Schon in der Titelüberschrift kommt zum Ausdruck, wie sich Elias gesehen hat. Es ging im um die Menschen in ihrer Gesamtheit, ihre Wechselwirkungen, die Kommunikation untereinander, die Kooperation und die Bändigung einer uns inhärenten Kampfeslust bzw. Aggression.

"Jeder einzelen Mensch setzt eine Vielzahl von Menschen voraus und die Interdependenz mit anderen gehört zu den Grundtatsachen seiner Genese und Entwicklung." Elias hat die Soziologie insgesamt mit begründet und ihr zu einem selbstbewussteren Status innerhalb aller Wissenschaftsdisziplinen verholfen.

Im Unterschied zu anderen forschte Elias nicht nur im Status quo, sondern bezog sein Wissen auch aus der Vergangenheit in vielen vergleichenden Studien. Seine Argumentation hat eine auffallende Nähe zum Symbolischen Interaktionismus und zur Kommunikationstheorie. Der Mensch ist nie ganz Ego, sondern immer eingebettet in einen Prozess der Zivilisation, die für ihn in Pendelbewegungen verläuft. Aktionen rufen Gegenreatktionen hervor, Negatives gleich sich aus, und entwickelt sich weiter zu zivilisatorischen, besseren Formen des Umgangs.

Elias sieht das Fußballspiel als besondere Ausprägung und Lehrstück für die Regelung von Zusammenspiel und Aggression. Materazis Kopfstoß gegen Zidane im WM Entspiel ist ein Beispiel für unterschwellig mitspielende Kampfeslust, für Provokationen und Gewalt, die normalerweise durch ein zivilisatorisches Regelwerk in besseren Bahnen laufen.

Dieses klar und ohne Soziologen-Jargon verfasste Buch gibt einen hervorragenden Einblick in das Werk von Elias inkl. einer umfassenden Literaturliste (Veröffentlichungen von Elias, Sekundärliteratur).Am Ende weist die Autorin darauf hin, dass Elias zur modernen Hirnforschung vorausschauend kritisch gesagt hätte: "Natur wird gleichgesetzt mit Unveränderlichem und Angeborenem und damit konzeptionell von dem getrennt, was veränderlich und gelernt ist. Doch wie können Menschen überhaupt etwas lernen, wenn sie nicht durch die Natur, also biologisch, dafür ausgestattet wären?"

Das Hauptwerk von Norbert Elias Über den Prozeß der Zivilisation I/II: Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen. Wandlungen des Verhaltens in den weltlichen Oberschichten ... zu einer Theorie der Zivilisation: 2 Bände wurde 1998 auf der ISA-Liste der zehn wichtigsten soziologischen klassischen Werke des 20. Jahrhunderts platziert.
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