Auch die zweite Staffel der Sopranos ist absolut gelungen.
Tony geht nach wie vor zur Therapie, hat eine Menge Ärger mit einigen seiner Mob-Kollegen, mit seiner Schwester und dem Rest der Familie. Die Kinder pubertieren und seine Frau wird zusehends kritischer.
Das größte Problem ist Ritchie April. Ein Mitgleid des Mobs, noch dazu Bruder des verstorbenen Bosses. Er kommt aus dem Gefängnis und will seine Pfründe zurück haben und führt sich dabei äußerst brutal und hinterlistig auf. Hinzu kommt, dass er mit Tonys Schwester eine Beziehung eingeht. Letztlich wird das Problem dann doch erledigt.
Die Faszination der Serie resultiert in erster Linie aus der Kombination der Genres Gangsterfilm und Familienserie. Darüber hinaus spielt das Lokalkolorit von New Jersey und dem benachbarten New York eine ganz wichtige Rolle.
Nicht vergessen darf man die Schauspieler. Alle Rollen sind großartig besetzt. Es gibt Darsteller, die persönliche Erfahrungen mit dem Mob hatten bzw. ihm angehörten. Doch das ist beim amerikanischen Gangsterfilm seit den dreißiger Jahren nicht unüblich, man denke nur an George Raft.
Eine Frage ist die, ob es sich bei der Serie um Satire handelt? Zum Teil sicherlich. Komik kommt u.a. dadurch zustande, dass die Werte der amerikanischen Mittelklasse in Einklang gebracht werden müssen mit dem Leben als Boss einer Mob-Organisation. Einserseits wird betrogen, gestohlen und gemordet, andererseits achtet man sehr genau auf die schulische Ausbildung der Kinder, auf ihr Benehmen und ihren Umgang.
Der Realismus der Darstellung spielt ebenfalls eine große Rolle. Auch die Handlung, und hier insbesondere die Aktivitäten des Mobs, ist alles andere als an den Haaren herbei gezogen. Man lese nur hin und wieder die Lokalzeitungen aus dieser Region.
Übrigens: Das FBI hat vor einiger Zeit tatsächliche Gangster aus New Jersey abgehört, als sie sich darüber stritten, wer mit welcher Figur der Sopranos gemeint ist.