Während sich die erste Staffel der "Sopranos" haupsächlich um das "Drumherum" fokussierte - sprich die Probleme außerhalb der Mafia ansprach, aber deshalb keinen Deut schlechter war - gehen die Macher der Kult-Serie in Staffel zwei nun buchstäblich in die Vollen. All die Zutaten, die schon aus den Folgen der ersten Staffel großartige Unterhaltung auf höchstem Niveau hat werden lassen, sind zwar noch immer vorhanden, werden aber von "Sopranos"-Schöpfer David Chase und seinem Team weiter ausgearbeitet und zusätzlich mit ein paar neuen Ideen und Handlungssträngen verfeinert. So dürfen Tony Soprano und seine Crew das "Mutterland" Italien besuchen und bekommen zusätzlich einen Einblick in die Sitten und Gebräuche der lokalen Cosa Nostra geboten (inkl. eines überraschend-schockierenden Einblicks, der Tonys Komplexe auf ein neues Hoch zusteuern lässt), während die Rückkehr von Richie Aprile, seines Zeichens Bruder des verstorbenen Mafia-Oberhauptes Jackie Aprile mindestens für genau so viel Ärger sorgt wie die Rückkehr von Tonys Schwester Janice und die Liebäugeleien seines Neffen Christopher mit dem Filmgeschäft. Aber das ist natürlich noch längst nicht alles!
Mit einem bewundernswerten Gespür für Dramatik, intelligente Erzählweise und überraschenden Wendungen führt David Chase in Staffel zwei der "Sopranos" unbeirrt jenen Weg fort, der bereits in der ersten Staffel eingeschlagen wurde. Neben dem Niveau und den erneut exzellenten schauspielerischen Leistungen fällt außerdem die glaubwürdige Realitätsnähe der Serie auf. Ob es nun echte Locations in New Jersey sind oder die Anspielungen auf Ereignisse, die während der Dreharbeiten aktuell waren - die Serie verliert nicht ein einziges Mal ihre Bodenhaftung. Sicherlich mit ein Grund, warum die "Sopranos" weltweit so erfolgreich sind. Gleiches gilt übrigens auch für die Dialoge, die keineswegs hölzern, übertrieben oder gar gekünstelt wirken, sondern ebenfalls stets glaubwürdig sind.
Unterm Strich bleiben also erneut dreizehn unglaubliche Episoden, die von Drama bis hin zum urbanen Verbrechen nahezu jeden Aspekt anschneiden, ohne dabei ins Schlittern zu geraten. Einziger Wehrmutstropfen - das Ende der letzten Episode, dass viele Fragen offenlässt, die aber hoffentlich und schon sehr bald mit dem Erscheinen eines dritten Box-Sets beantwortet werden können.