Ich hatte schon immer eine Schwäche für Mafiafilme, aber die Sopranos waren (wohl auch durch die sehr "sinnigen" TV-Termine) bis Anfang 2007 an mir vorbei gegangen. Was ein Fehler! Im Januar habe ich mir dann aufrund der tollen Kritiken die erste Staffel zugelegt, eine Woche später die zweite und mittlerweile inklusive der 6. Staffel alles schon zweimal angeschaut. Mein Bada Bing T-Shirt ist mittlerweile festgewachsen, weil meine Rundungen mit denen von Tony S. mitgewachsen sind (kein Wunder, wenn man nur noch vor dem Fernseher sitzt...) Die Sopranos machen definitiv süchtig und kein Arzt kann helfen...
Die Gründe:
Ich habe zuvor wirklich noch nie eine derart exzellente TV-Serie gesehen. Hier ist von der fantastischen Besetzung über die Musik bis zum kleinsten Detail alles maßgeschneidert. Nie zuvor wurde das Leben und Sterben in einem Mafia-Clan so drastisch und lebensnah dargestellt. Das wahre, bösartige und oft kurze Leben auf der Straße, voll von Drogen, Sex und Gewalt. Die Sprache ist rau und derb (wer der englischen Fassung folgen kann, sollte mal versuchen alle "bösen F-Wörter" zu zählen...) genauso wie der Humor. Hier gibt es keine durchgestylten Supergangster, die alles unter Kontrolle haben. Ebenso wartet man auf den genre-typischen, durchchoreografierten Showdown vergeblich. Die Sopranos sind eben nicht der Pate. Sie sind kein opernhaftes Kunstwerk, sondern das wahre Leben.
Tony Soprano ist ein bulliger, untersetzter Clanboss, der von Panikattacken und seiner Mutter geplagt wird und genug Probleme hat, seine Kinder, Affären, Frau, Onkel und Capos gleichzeitig im Zaum zu halten. Und außerdem ißt und trinkt er noch ohne Unterbrechung. Er genießt wirklich die schönen Dinge des Lebens ohne Kompromisse. Tony ist nicht wirklich gebildet, dafür aber launisch, zeitweise unglaublich gewalttätig und skrupellos. Nicht gerade das, was man als netten Mensch oder gar Vorbild bezeichnen würde, aber das macht ihn (zumindest meistens) gnadenlos sympatisch und die Serie so unterhaltsam. Mal ganz ehrlich, welcher Soprano-Fan möchte ich einmal einen Tag lang Tony sein...
Fazit:
Freunde der gepflegten, politisch korrekten Unterhaltung sollten vielleicht eher einen Bogen um die Serie machen. Wer allerdings der Meinung ist, einer schwarzhumorigen Mafiasaga gewachsen zu sein, die auch vor drastischen Gewaltszenen nicht zurückschreckt, wird die Sopranos lieben.