Das Wichtigste vorweg: Das hohe Niveau der ersten beiden Staffeln kann die dritte Staffel der "Sopranos" nicht mehr halten - denn sie ist besser. Es ist fast schon erschreckend, mit welcher Leichtigkeit es David Chase, dem geistigen Kopf der Serie und seinem talentierten Team erneut gelungen ist, den Mikrokosmos aus Korruption, Verbrechen und nicht zuletzt Familien- und Seelenproblemen um weitere, originelle und spannende Nuancen zu erweitern. Wer jedenfalls gedacht hat, dass nach den ersten beiden, schon brillant realisierten Staffeln der Serie vorzeitig die Luft ausgehen würde, bekommt hiermit das Gegenteil vorgelegt.
Doch was kann man eigentlich erwarten? Natürlich gibt es noch immer Tonys Auseinandersetzungen mit seiner Vergangenheit (sprich Mutter), die er noch immer mit regelmäßigen Konsultationen bei der Psychologin Dr. Melfi zu ergründen versucht. Und natürlich halten ihn auch noch seine beiden Familien weiterhin auf Trab: So machen Tonys Kinder ihm das Leben schwer, während seine Frau Carmela mit ihrer möglichen Zukunft als Frau eines Mafia-Bosses hadert. Sein noch immer extrem hitzköpfiger Neffe Christopher wird zum "Vollmitglied" befördert und lernt erstmal die Schattenseiten des Business kennen. Gleichzeitig sorgt die Rückkehr des Mobster Ralph Ciffaretto für Unruhe und Streit, während das FBI verzweifelt versucht, eine Wanze im Heim der Sopranos einzuschleusen ...
Und das ist noch nicht einmal die Spitze des Eisberges. Was diese dreizehn Folgen für den geneigten Zuschauer bereithalten, ist schier unglaublich und füllt das komplette Spektrum aus. Egal ob Trauer, Wut, Verzweiflung, Neid, Hass - Staffel Drei der "Sopranos" lässt wirklich keine Wünsche offen und lässt erneut die (Serien-)Konkurrenz beschämt im Regen stehen. Ein dickes Kompliment muss man den Machern außerdem für die großartig ausgesuchte Riege von Schauspielern machen, die die "Sopranos" durch ihre Gastauftritte beehren. Neben Joe Pantoliano, der in seinem Part als Ralph Ciffaretto großartig agiert, gebührt u.a. auch Charles S. Dutton als unbelehrbarem Policeofficer und nicht zuletzt der ebenso hübschen wie talentierten Annabella Sciorra große Anerkennung, die in ihrer Rolle als Tony Sopranos Geliebte Gloria Trillo eine ebenso tolle wie denkwürdige Leistung abliefert - nicht zuletzt auch deswegen, weil ihr Charakter noch mehr Psychosen aufzuweisen hat als Tony Soprano selbst.
Dennoch, ein einziger, wenn auch minimaler Wehrmutstropfen bleibt - nämlich die doch recht spährliche Anzahl an DVD-Extras. Neben zwei Audikommentaren und einem viel zu kurzem "Making-off" hält das DVD-Set nämlich nichts mehr parat, obwohl man sich schon die eine oder andere Hintergrundinformation gewünscht hätte. Doch wie bereits erwähnt ist dieser Makel wirklich nur minimal und kratzt nicht mal ansatzweise an der außergewöhnlichen und einzigartigen Qualität der Serie, die längst und wohlverdient einen Platz in den Annalen der TV-Geschichte sicher hat.