Die Sopranos, das ist eine der mit Abstand innovativsten, interessantesten US-Fernsehserien der letzten Jahre. Dabei ist
Die Sopranos eine Serie fernab amerikanischen Fernseheinerleis. Sie ist härter und brutaler als normale Serien. Sexualität findet nicht nur im Off statt, die Sprache ist derber. Und all dies ist dramaturgisch notwenig, denn
Die Sopranos ist eine Mafia-Serie, in dessen Mittelpunkt Tony Soprano (James Gandolfini) steht. Tony ist der Pate von New Jersey. Doch Tony ist anders als andere Paten. Natürlich ist er ein Verbrecher. Er verdient sein Geld durch allerlei illegale Geschäfte. Und wie es sich für einen italienischen Paten gehört, hat er daheim ein Frau, die er liebt (Edie Falco) und zwei wohlgeratene Kinder. Er hat eine unantastbare Mama (Nancy Marchand) und hin und wieder vergnügt er sich mit Prostituierten -- was an seiner Liebe für seine Frau nichts ändert. Und trotzdem ist Tony kein normaler Pate. Eigentlich ist er in seinem Inneren ein richtig netter Kerl. Es sei denn, es geht um Verräter.
Eigentlich möchte Tony nur etwas ausspannen. Eine Gelegenheit bietet ihm dafür eine Fahrt mit seiner Tochter Meadow (Jamie Lynn Sigler) über Land, auf der Suche nach einem geeigneten College für das Mädchen. Dabei entdeckt er einen Mann (Tony Ray Rossi), der niemand anderes als Feeby Petrulio sein muss, ein ehemaliger Mafiosi, der im Rahmen der Kronzeugenregelung gegen die Mafia ausgesagt hat. Kurze Zeit später ist Feeby tot.
Zum ersten Mal wird einem als Zuschauer in dieser nunmehr fünften Episode bewusst, dass Tony wirklich ein Mafiaboss ist. Er ist nicht nur ein kleiner Halunke, er ist ein Mann, der über Leben und Tod entscheidet. Eigenartigerweise macht ihn dies nicht unsympathisch, denn Regisseur Coulter gelingt es in der ansonsten eher durchschnittlichen Episode, eine in sich hermetisch geschlossene Welt zu kreieren, in der restriktive Regeln gelten. Mehr noch als in den ersten vier Episoden, werden Ehre und Treue gegenüber der Familie thematisiert -- und Tony gelingt es, trotz seiner Macht, seine Würde zu behalten, da er streng nach diesen Regeln lebt und sie befolgt. Wie schwierig dies sein kann, erlebt er jedoch am eigenen Leib, als seine Frau (Edie Faden) erfährt, dass sein Therapeut eine Frau ist (Lorraine Bracco), weshalb sie sich von ihm hintergangen fühlt.
Tonys Alptraum nimmt indessen den Handlungsfaden der Episode Tonys Schachzug (von der zweiten Kassette) wieder auf. Nach dem Tod des Mafiabosses Jackie Aprile hat Tony diesen beerbt. Um Konflikte mit seinem Onkel Junior (Dominic Chianese) zu vermeiden, sind er und seine Getreuen jedoch zu der Überzeugung gekommen, Junior im Glauben zu lassen, er habe Jackies Erde angetreten. Dieser Schachzug entpuppt sich jedoch in sofern als ein Fehler, als dass Junior sich nicht mehr an die Regeln der Mafia hält. So beginnt er Schutzgelder von Personen zu kassieren, die von den Sopranos einst das Ehrenwort bekamen, unbehelligt ihren Geschäften nachgehen zu können. Dass Junior ein Ehrenwort bricht ist fast noch schlimmer als zur Polizei überzulaufen. Tony bleibt nichts anderes übrig, als seinerseits ein Intrigennetz zu flechten und hinter Juniors Rücken zu operieren -- was ihm als ein an sich ehrlicher Charakter missfällt.
Im Gegensatz zur eher mäßigen ersten Episode auf dieser Kassette, wartet Tonys Albtraum mit einigen wunderbar ironischen Aspekten auf. Vom Stress übermannt passiert Tony nämlich etwas, was für jeden italienischen Macho-Mann nur als Katastrophe bezeichnet werden kann: Er kann nicht mehr! Mit viel Witz widmet sich Regisseur Taylor Tonys plötzlich auftretender Impotenz -- und parodiert genüsslich verschiedenste Mafia-Filmklischees, indem etwas geschieht, was nicht geschehen kann. Ein Mafiaboss, der nicht mehr kann? Tony ist entsetzt -- aber auch verwirrt, denn in seinen Träumen sieht er immer wieder seine Psychiaterin Dr. Melfi. Und in seinen Träumen hat er mit seiner Potenz keine Probleme. So steht der an sich ehrliche Mafiaboss plötzlich zwischen zwei Frauen. Da ist Onkel Juniors Habgier im Endeffekt das kleinere Problem! --Christian Lukas
"Reise in die Vergangenheit/Tonys Alptraum" Das ist Familiensache: Tony (James Gandolfini) begleitet seine Tochter Meadow (Jamie-Lynn Sigler), um sich verschiedene Colleges anzusehen. Und auch das ist "Familien"-Sache: Während dieser Reise entdeckt Tony einen Ex-Mafioso, der gesungen hat und dann mit Hilfe des Zeugenschutzprogramms untergetaucht ist. Wenn es nach Tony geht, wird dieser Mann bis in alle Ewigkeit verschwinden. Und natürlich bekommt Tony seinen Willen. Als er nach Hause zurückkehrt, bestärkt er Junior (Dominic Chianese) weiterhin in dem Glauben, der Boss zu sein. Anlässlich Juniors Einführung wird ein großes Diner gegeben, und Junior hat keinen blassen Schimmer, was da wirklich abläuft. Tony und seine Mannen allerdings auch nicht. Immer lächeln, Jungs - ihr werdet gefilmt! Vom gesamten Festabend gibt es ein Video - mit besten Empfehlungen des FBI.