Die Sopranos, das ist eine der mit Abstand innovativsten, interessantesten US-Fernsehserien der letzten Jahre. Dabei ist
Die Sopranos eine Serie fernab amerikanischen Fernseheinerleis.
Die Sopranos wird vom Pay-TV-Sender HBO produziert und ist somit in der Gestaltung freier als normale TV-Serien. In diesem Fall heißt dies: Sie ist härter und brutaler als normale Serien. Sexualität findet nicht nur im Off statt, die Sprache ist derber. Dabei hat die Episode
Vater und Sohn diese Freiheiten gar nicht nötig, denn
Vater und Sohn ist eine interessante, sensibel inszenierte Variante des Konfliktes zwischen Kindern und ihren Eltern. Das, was Tony (James Gandolfini) widerfährt, kann jedem Vater geschehen: Er wird in die Schule seines Sohnes (Robert Iler) zitiert, der Messwein gestohlen und sich dann betrunken hat.
Vater und Sohn ist die bislang emotional intensivste Episode der Serie. Es geht diesmal nicht um Tonys komplizierte Beziehung zu seiner Mutter (Nancy Marchand). Es geht nicht um die komplizierte Beziehung zu seinem intriganten Onkel Junior (Dominic Chianese), Beziehungen, die von der Entmenschlichung von Personen erzählen, die eigentlich einander vertrauen und lieben müssten. Diesmal ist es die Beziehung eines Vaters zu seinem Sohn. Und es ist eine Geschichte voller Angst und Ungewissheit. Beim Anblick seines dicklichen Sohnes sieht sich Tony als Heranwachsender und Sohn des Paten. Und in ihm steigt Panik auf. Panik, Anthony Jr. könne den gleichen Weg beschreiten wie er. Am schlimmsten entpuppt sich in dieser Situation die Tatsache, dass seine Mutter beginnt, ihren Enkel gegen den eigenen Vater aufzuhetzen. Sie macht dies nicht direkt. Sie erklärt Anthony Jr. nur, dass seine Besuche beim Schulpsychiater, zu denen er nach dem Zwischenfall verurteilt wurde, unsinnig seien. Damit stellt sie sich bewusst gegen Tony. So könnte der Untertitel dieser Episode auch "Mütter und Söhne" lauten, gäbe es in der Beziehung von Vater und Sohn gegenüber der von Mutter Livia und Tony nicht einen gewaltigen Unterschied: Tony liebt seinen Sohn, Livia aber verachtet Tony.
Währenddessen macht das Gerücht die Runde, das FBI würde zum Schlag gegen die Sopranos ausholen (seit der Episode Tonys Alptraum von Kassette Nummer 3 wissen dies zumindest die Zuschauer mit Gewissheit). Der deutsche Titel Tony rastet aus beschreibt somit den Zustand Tonys mehr als treffend. Da ist seine Ehe, mit der es nicht zum Besten steht. Dann gibt es das FBI, das sich auf die Sopranos eingeschossen hat und Tony zwingt, die Bücher zu frisieren (lieber würde er flüchten, doch er empfindet dies als unehrenhaft und als ein Schuldeingeständnis). Und dann gibt es noch einen großen Pressebericht über seinen Clan, in dem sämtliche Mitglieder als gefährliche Gangster dargestellt werden -- außer seinem brutalen Neffen Chris (Michael Imperioli), der daraufhin in tiefe Depressionen verfällt. Als dann auch noch Mutter Soprano erfährt, dass ihr Sohn zum Psychiater geht, dreht Tony durch.
Tony dreht durch ist eine sehr ironische Episode, die sich -- neben Tony natürlich -- vor allem mit der Person von Chris beschäftigt. Dieser wird als eitler Fatzke dargestellt, der das Gangsterdasein benötigt, um seine eigenen Minderwertigkeitskomplexe zu überdecken. Tatsächlich ist Chris vielleicht das schwächste Mitglied der Familie. Er mag erwachsen sein, doch in seinem Inneren ist er ein zutiefst verunsichertes Kind. Höhepunkt der Episode ist daher der Moment, in dem eine Tageszeitung schließlich doch noch über Chris, einen "gefährlichen Verbrecher", berichtet. Glücklich lächelnd nimmt Chris diese Meldung zur Kenntnis. Nun ist alles wieder gut. Und sein Charakter wird endgültig der Lächerlichkeit preisgegeben. --Christian Lukas
Die Sopranos werden beriets als "zeitgenössische Mafia-Meisterwerk" gefeiert. Kritiker und Zuschauer sind sich einig: Diese Serie um einen modernen Unterweltboss, die bereits mit dem Emmy und dem Golden Globe ausgezeichnet wurden, muss man gesehen haben. Clever, komisch und mit bissigem Sarkasmus - wen DIE SOPRANOS erst einmal gepackt haben, den lassen sie nicht wieder los. Jetzt ist es heraus: Livia, immer noch verbittert darüber, dass ihr Sohn Tony sie in das Green-Grove-Altersheim abgeschoben hat, flüstert Gangsterboss Junior ein tödliches kleines Geheimnis zu, von dem sie läuten gehört hat: Tony vertraut sich regelmäßig einer Psychiaterin an! Vielleicht hat er das Schweigegelübte bereits gebrochen... Andere Befürchtungen lösen im gesamten Clan eine Panik aus: Anklageschriften der Bundesbehörden. Gerüchte um einen Untersuchungsausschuss führen bei den Sopranos zu einem hektischen "Frühjahrsputz". Jeder beweis verbrecherischer Unterweltaktivitäten muss sofort verschwinden.