Als Roos an einem Sonnenstich stirbt, tritt Leonie, Übersetzerin und nicht besonders begütert, das Erbe ihrer Freundin an, die daran die Bedingung geknüpft hat, dass Leonie für die drei Katzen zu sorgen hat. Leonie, die immer mehr in Roos' Rolle aufgeht, ihre Kleider und dieselbe Frisur trägt, ihre Sprechweise imitiert, kommt durch seltsame Begegnungen und Vorkommnisse dahinter, dass Roos wahrscheinlich keines natürlichen Todes starb. Ob ihre Arbeit in einem Chemielabor oder ihr Sexualleben Auslöser für einen besonders raffinierten Mord war?
Auch eine Handvoll großartiger Romane bewahrt einen Schriftsteller nicht davor, auch einmal ein schwächeres Buch zu schreiben - dieses Buch beweist es. Von der dichten Atmosphäre und der fesselnden Geschichte, die 't Harts Romane auszeichnen, ist hier wenig zu spüren. Nichts von dem, was Leonie unternimmt, scheint zwingend, um hinter Roos' plötzlichen Tod zu kommen.
Dabei hat 't Hart sich eine gute Vorlage gegeben: Was geschieht, wenn ein Mensch beginnt, in die Haut eines anderen zu schlüpfen? Wenn er nicht nur Wohnung, Kleidung und den restlichen Besitz übernimmt, sondern sich auch individuelle Charakteristika und Angewohnheiten zu eigen macht, wie Sprechweise, Gang oder das Aufkleben überlanger grell lackierter Fingernägel? Leider verflacht diese Problematik völlig zugunsten der Nachforschungen, die sehr spannungsarm geschildert werden.
Glücklicherweise hat der Autor es nicht verlernt, originelle Personen und Situationen zu zeichnen, so dass man mit der Langeweile ein wenig versöhnt wird und sich Hoffnung auf die nächsten Bücher bewahrt.