Georg Klein macht's mal wieder spannend, und das nicht nur weil er in seinem neuen Band vier Männer und eine Frau in ein Hochhaus schickt, das so mysteriös und verwinkelt wirkt, dass man doch am liebsten gleich wieder aus dem Gebäude laufen möchte. Aber so einfach ist es nicht, denn Klein bindet die Lesenden mit einer enorm dichten und ähnlich verwinkelten Sprache an das Geschehen.
Hatte er in seinen früheren Romanen noch versucht, die Unübersichtlichkeit von Städten poetisch zu verarbeiten, so hat er sich nun der topographische Erschließung eines Gebäudes, des "Steifen Schnösels", angenommen. Und so suchen die fünf Kollegen im Auftrag des Stadtteilpaten Gabor Cziffra nach einem alten Relikt, der Sonne.
Der große Vorteil dieses Buches ist vermutlich, dass hier jeder Sekundenschlaf knallhart bestraft wird: Wer nicht aufpaßt, darf nochmal lesen! Aber auch den Schlafmützen sei gesagt, dass jeder neue Anlauf natürlich auch neue Erkenntnisse mit sich bringt. Und außerdem: Der Klappentext will uns zwar weismachen, dass es sich hier um einen "Horrorroman" handelt (was unter dem Blickwinkel bestimmter thematischer Komponenten durchaus richtig ist), der Band "Die Sonne scheint uns" lutscht sich aber längst nicht so schnell weg wie gängige Genreliteratur. Klein hat dem Gattunsgpurismus den Rücken zugekehrt, und alle Sprachbegeisterten dürfen sich über ein enorm elaboriertes und bildstarkes Deutsch freuen, wo selbst Erzähler mit Leseschwächen (Bitter Lemon) unserer Sprache ungewöhnlich wohlklingende Töne entlocken können.
Das Buch ist gerade im Vergleich zu seinen anderen Bänden ästhetisch noch radikaler und riskanter und damit für den leistungsfähigen Bücherfan eine große Herauforderung. No risk, no fun!