2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Anschaulich geschilderte Entwicklung zum Terroristen, 8. Dezember 2008
Das war das besher beste Buch in Romanform zum Thema Terrorismus, das ich gelesen habe. Die Entwicklung eines jungen, eher zurückhaltenden und friedliebenden Mannes hin zum potentiellen Massenmörder wird nachvollziehbar, durch die ausgiebige Schilderung seines dörflichen, von Traditionen geprägten Lebens, das zunehmend gefährdet ist durch die Besatzung des Irak, am Ende führt aber erst eine Demütigung seines gebrechlichen Vaters führt dazu, dass er seine Heimat verlässt und auf Rache sinnt.
Er geht nach Bagdad und auch hier sind auch die Schilderungen der vom Krieg gebeutelten Stadt und des Verfalls aller Sitten sehr eindrucksvoll.
Als er endlich Kontakt zur Widerstandsbewegung findet, wird schnell klar, dass es eine solche, einheitliche nicht gibt. Auch hier treffen alle möglichen Interessen aufeinander. Schließlich wird er auserkoren, einen absolut zerstörerischen Terroranschlag auf bisher unbekannte Art zu verüben. Die weitere Entwicklung bis zum Ende bleibt spannend.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Beeindruckende Umsetzung als Hörbuch!, 14. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Sirenen von Bagdad (Audio CD)
Said ist traurig. Seit die Amerikaner in Bagdad einmarschiert sind, ist sein Traum von einem Literaturstudium ausgeträumt. Der Beduine sitzt wieder in seinem kleinen Dorf und schlägt sich nur mühsam durch. Nur seine große Schwester ist in Bagdad geblieben und arbeitet dort als Ärztin. Seine Zwillingsschwester Farah bestärkt ihn zwar darin, weiter alles zu versuchen, um ebenfalls Akademiker zu werden, doch ist ein Ende des Krieges nicht abzusehen und Said kommt sich wie ein Verräter an seinem Volk vor. Alle seine Freunde haben sich dem Widerstand angeschlossen oder wenigstens das Dorf verlassen. Nur Said rührt sich nicht von der Stelle. Er hat nie zurückgeschlagen, sich nie provozieren lassen, nie daran gedacht, auch zur Waffe zu greifen und sich an den Ungläubigen zu rächen.
Doch eines Nachts ist auch sein Leben, so wie er es führt, ein für allemal vorbei. Ein Trupp Soldaten dringt in das Haus ein, zerrt die Frauen auf den Gang, zertritt die Einrichtung und richtet ein heilloses Chaos an. Sie sind auf der Suche nach Waffen und Propagandamaterial. Doch dann zerren sie auch seinen Vater auf den Gang. Sie werfen den halbnackten Mann zu Boden. Said sieht das Unaussprechliche, nicht Zeigbare, Intimste und unverrückbar Privateste des alten Mannes, als das Nachthemd verrutscht. Diese Schande ist nur mit Blut abwaschbar. Als braver, gottesfürchtiger Beduinensohn hat Said nur noch eine Aufgabe in seinem Leben, er muss diese verruchte Tat rächen. Nie wieder darf er seinem Vater in die Augen sehen, noch dessen Haus betreten, wenn er nicht vergolten hat, was die Amerikaner seinem Vater und all seinen Ahnen angetan haben.
Said bricht am nächsten Morgen auf und reist nach Bagdad. Er ist zu allem bereit, sei es noch so grausam und furchtbar, um seine innere Ruhe wieder zu finden.
Der Algerier Mohammed Moulessehoul schrieb 2006 unter dem Pseudonym Yasmina Khadra einen Roman, der Anklage, Erklärung und Botschaft zugleich ist. Eine Anklage gegen die Amerikaner, die den Irak ohne Grund und mit grausamer, unangemessener Härte angegriffen haben - einzig um die riesigen Ölreserven des Landes unter ihre Kontrolle zu bringen - so zumindest die Sicht der irakischen Stimmen in diesem Buch. Eine Erklärung des Terrors, der seitdem in den Straßen von Bagdad ausgebrochen ist und der das einstmals schöne Land fast komplett zerstört und unregierbar gemacht hat. Und eine Botschaft: Der Autor versucht, den Irakern und den Amerikanern gleichermaßen klar zumachen, dass sie, indem sie sich gegenseitig zerstören, Gott und Menschenwürde mit Füßen treten und nichts außer Zerstörung damit erreichen. Und zwar eine Zerstörung des Inneren, der Achtung und der Würde des Menschen - jedes Menschen, gleich welchen Glaubens.
Dies konzentriert er in einem Einzelschicksal, das aufzeigen soll, wie es zum Widerstand, zum Terror und zur Verrohung der Seelen kommt und was man dagegen tun kann. Er redet nicht den islamischen Hardlinern das Wort, glorifiziert nicht den Terror und spart auch nicht mit Kritik an den irakischen Positionen in diesem sinnlosen Krieg. Doch vor allem greift er die Amerikaner und ihr Weltbild, ihr Verhalten und ihre Schuld auf. Mit klaren Worten verdammt er diesen Krieg und macht anhand des Schicksals von Said klar, dass daraus nur Böses erwächst. Niemals kann mit Gewalt Frieden geschaffen werden.
Im Gegensatz zu den Amerikanern und Irakern lässt er seinem Helden einen Ausweg. Er gibt ihm im richtigen Augenblick seinen Verstand wieder und lässt ihn in Würde seine eigene, nicht von den Kriegsparteien aufgezwungene Haltung vertreten. Doch gleichzeitig macht er auch bewusst, dass es keine Lösung gibt, nur einen eigenen, persönlichen Weg, den jeder Mensch beschreiten sollte.
Das alles verpackt Moulessehoul in bewegender Sprache, wunderschönen Sätzen und sehr tristen Bildern. Seine Anklage ist deutlich, aber auch warmherzig. Sie stellt den Menschen in den Mittelpunkt und beschäftigt sich mit seiner Seele und seinen Wertvorstellungen. Doch bei aller Nettigkeit ist es auch eine klare Botschaft an den Westen im Allgemeinen und an die Amerikaner im Speziellen, mit ihrem Tun inne zuhalten und einen Dialog zu versuchen. Denn sonst, das wird in diesem Text klar, kommt es zur Katastrophe.
Unter der Regie von Frank-Erich Hübner ist aus diesem schwierigen, verstörenden und traurigen Buch ein packendes, aber nicht minder trauriges Hörspiel geworden. Dank einer erstklassigen Besetzung und der eindringlichen Musik von Haarmann ist es ein sehr kurzes, manchmal fast kryptisches, immer aber faszinierendes Stück brisanter, hörbarer Literatur geworden.
Wer einen offenen, provokanten und gleichwohl differenzierten Blick auf die Menschen werfen will, die im Irak nach dem amerikanischen Einmarsch versuchen zu überleben, sollte sich "Die Sirenen von Bagdad" anhören. Er macht klar, wie wenig der aufgeklärte Westeuropäer von der Seelenlage dieser Menschen verstanden hat, wenn er sich auf Berichte und Erklärungen aus seinem eigenen Umfeld verlässt. Aber Vorsicht, dieses Hörspiel ist absolut unverträglich mit dem Standpunkt der kriegführenden Amerikaner und ihrer Haltung dem Islam gegenüber und schürt ohne Zweifel in dieser Hinsicht den gegenseitigen Hass.
Stefan Erlemann
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Sehr lesenswert!, 11. April 2009
Ein weiterer sehr lesenswerter Roman von Yasmina Khadra alias Mohammed Moulessehoul. Vor allem westlichen Politikern und Militärs sei er zur Lektüre dringend empfohlen, denn hinterher kann man besser erkennen, wie hoffnungslos verfehlt sich die westliche Politik gegenüber der arabischen Welt darstellt. Ansprechend gestaltete Dialoge zeigen verschiedene Sichtweisen innerhalb des arabischen Lagers auf, wobei durchaus auch Extremisten teilweise sehr plausible Argumente vorbringen. -
Aber nicht nur im Hinblick auf den Informationsgehalt lohnt sich der Roman, sondern er zeichnet sich durch orientalische Fabulierkunst aus und wird obendrein - nach einem umständehalber eher drögen Auftakt - von Kapitel zu Kapitel immer spannender, auch wenn er dabei für meinen Geschmack nicht ganz an die >Attentäterin< heranreicht. Der Schlussteil wirkt auf mich ein wenig ängstlich und ist schlicht eine Spur zu lang geraten, man hätte ihn vielleicht sechs Seiten früher mit den Worten >Jetzt bin nur noch ich übrig< enden lassen sollen. (Aber eventuell hätten westliche Verlage den Roman dann nicht mehr angenommen.) -
Wie auch immer, ich halte die Lektüre durch ihre elegante Art, die Leser(innen) auf unterhaltsame Weise zu bilden, insgesamt für sehr empfehlenswert!
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