Die Lesezeit ihres Publikums so stark zu strapazieren, zeugt von Selbstbewusstsein oder von der Unwissenheit, dass Aufmerksamkeit das knappste Gut geworden ist. Ohne Verlust könnte das Buch auch nur 200 Seiten aufweisen. Doch immerhin macht die deutsche Professorin zwischendurch bildhafte Zusammenfassungen, denen sie gleich das Copyright anfügt. Das wäre für die Illustrationen kaum notwendig. Denn die sind für Ästheten übel und auf der Stufe Power-Point oder Clip-Art stehengeblieben. Ausserdem wäre es für dies Art von "Folienvorlagen" ein Vorteil, wenn ein Texter seinen Senf hätte dazu geben dürfen. Mit den Management-Skandalen der letzten Monate erhält das Buch eine ungeplante Aktualität. Denn wer seine Versprechen nicht einhält, verliert an Vertrauen und damit an Kunden. Frau Höhler hat Einblick in die obersten Chefetagen und ein gutes psychologisches Allgemeinwissen. Aber ein so bedeutungsschwangeres Wort wie Sinn müsste in einem Buch über Sinn irgendwo sinnvoll erklärt werden. Persönlich bin ich davon überzeugt, dass die Zukunft dem Sinn-Management gehört. Und wer Vorreiter sein möchte, findet bei Getrud Höhler ein Argumentarium, um mögliche Mitstreiter von der Idee überzeugen zu können. Aber es leider hat viel Plattes und Abgegriffenes dabei.