Es gibt unzählige Meinungen über Mahler und seine Musik - und seit der durch Leonard Bernstein verursachten Mahler-Renaissance noch viel mehr Aufnahmen. Dieser Aufnahme aller Mahlersinfonien (1.-9. plus der noch von Mahler fertiggestellte erste Satz der 10.) kommt innerhalb dieser großen Auswahl sicherlich ein Spitzenplatz zu.
Das London Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Klaus Tennstedt überzeugt vor allem durch seinen edlen, ausgewogenen Klang. Hier kann man besonders die Blechbläser lobend erwähnen - laut ist eben nicht gleich laut und auch nicht immer die beste Lösung. Zwar sind einige Tempi am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, weil nicht der populären Interpretation folgend, aber wer andere, vermeintlich bessere Aufnahmen kennt, wird hier trotzdem auf jeden Fall ungeahnte neue Hörerfahrungen machen.
Als kleines Beispiel pars pro toto sei hier nur eine Stelle aus der zweiten sog. "Auferstehungssinfonie" genannt: Gegen das Schlagwerkcrescendo im vierten Satz auf dieser Aufnahme ist die Version von Solti und Chicago eine echte Lachnummer.
Natürlich gibt es auch wenige Dinge, die etwas stören: So hätte man z.B. erwarten können, daß die Aufnahme nicht an einer Stelle plötzlich übersteuert (letzter Satz 5. Sinfonie, kurz vor Schluß), allein schon deshalb, weil man beim ersten Mal denkt, man habe gerade seine Boxen vernichtet.
Ansonsten habe ich noch keine wirklich erwähnenswerten Schwachpunkte gefunden und bin mit dem Set sehr zufrieden.
Absoluter Kauftip!