Zunächst einige allgemeine Informationen: Alle hier vorliegenden Aufnahmen wurden von Solti mit dem Chicago Symphony Orchestra eingespielt, wobei es sich bei den Sinfonien 5,6,7 und 8 um ADD-Aufnahmen aus den frühen Siebzigern handelt und bei den Sinfonien 1,2,3,4,und 9 um DDD-Aufnahmen aus den frühen Achtzigern. Das Adagio der Zehnten ist hier nicht enthalten, wohl aus dem ganz banalen Grund, weil Solti es nie aufgenommen hat. Bei den Sinfonien 6 und 8 handelt es sich um die legendären Einspielungen aus den Siebzigern , die beide auch auf einzelnen CDs erhältlich sind. Auch die restlichen Sinfonien liegen separat vor, jedoch sind sie nur schwer zu bekommen und dann auch preislich nicht sonderlich attraktiv, wobei man auch anmerken sollte, dass die Aufmachung dieser Edition auch nicht gerade aufwendig ist, da die einzelnen Discs nur in Papierhüllen untergebracht sind. Dafür gibt es aber ein sehr dickes Beiheft mit ausführlichen Texten zu jeder Sinfonie, weshalb man hier letztlich beim Preis absolut nicht meckern kann.
Alle Aufnahmen präsentieren sich in dem für Decca charakteristischen Klang, der keinerlei Rauschen zulässt und alle Orchestergruppen glasklar zur Geltung bringt, jedoch manchmal auch überdigitalisiert und unausgewogen wirkt. Das berühmte Blech des CSO spielt hier wie immer mit messerscharfer Präzision, hat aber auch einen sehr eigenwilligen Klang, den man mögen muss. Solti dirigiert stets mit viel Energie und gnadenloser rhythmischer Dynamik, lässt sich jedoch in langsamen Sätzen oft auch sehr viel Zeit.
Nun im Detail:
Nr.1: Hier handelt es sich um eine herausragende Aufnahme, die besonders auch für Anhänger eines transparenten Orchesterklanges empfehlenswert ist.
Der letzte Satz kommt hier natürlich mit entsprechender Vehemenz angedonnert. Hier gibt es jedoch viele andere gelungene Aufnahmen.
Nr.2: Auch diese Einspielung zählt endeutig zu den besten dieser Sinfonie, obwohl die Sätze 2 und 3 zwischendurch etwas versanden.
Beeindruckend ist vor allem der erste Satz, der hier als toller Orchesterreißer erstrahlt. Das CSO spielt einmalig virtuos. Auch im Finale gelingt ein sehr guter Spagat zwischen klassischer und moderner Interpretationstechnik.
NR.3: Auch hier ist besonders der überlange erste Satz sehr interessant, weil er durch das energische Spiel niemals langatmig wirkt. Soltis Stil ist auch in den Mittelsätzen sehr entgegenkommend, lediglich das Ende des Finales klingt hier zu lapidar und enttäuschend distanziert.
Nr.4: Diese Aufnahme hat leider viel zu wenig Wärme, auch wenn die Interpretation nicht wirklich enttäuscht, jedoch sind auch die Streicher hier zu dünn im Klang. Solistin ist Kiri Te Kanawa.
Nr.5: Auch diese Aufnahme hinterlässt einen konfusen Eindruck, weil der Klang extrem aufgemöbelt wurde. Die ersten beiden Sätze sind hauptsächlich ein überlautes Geknalle und Gekrache, lediglich das Blech macht die Aufnahme hörenswert. Das Adagietto ist absolut unterkühlt, das Finale wieder besser.
Nr.6: Ausführliche Rezensionen gibt es auf der Seite der Einzelausgabe, diese Einspielung wird man lieben oder hassen.
Nr.7: Leider leidet auch diese Aufnahme an Überdigitalisierung, ansonsten ist sie durchaus annehmbar. Die Mittelsätze haben eher breite Tempi, das Finale beeindruckt durch die Pauken und das Blech. Bernstein ist hier jedoch mit dem New York Philharmomic unschlagbar.
Nr.8: Dies ist die berühmte Aufnahme, die in den Wiener Sofiensälen enstand. Es handelt sich um eine gewaltige, aber niemals überladene Einspielung des Werkes. Die Solisten sind alle herausragend.( Kollo, Popp, Watts, Auger, etc.)
Nr.9: Dies ist vielleicht sogar die beste Aufnahme des Zyklus. Die Tempi passen genau, obwohl der Kopfsatz über 30min erreicht. Das Allegro assai ist perfekt, das Schluss-Adagio ist sehr transparent und überzeugt durch die natürliche Emotionalität.
Fazit: Insgesamt ein guter Mittelweg zwischen Bernstein und Boulez, der mir viel zu analytisch ist, allerdings muss man den Decca-Klang mögen.
Soltis Stil gefällt ebenfalls nicht jedem, passt aber durchaus zu Mahler.
Insgesamt halte ich Bernstein für unübertroffen, dessen Zyklus bei Deutsche Grammophon ist unverzichtbar. Wer Solti nicht unbedingt mag, braucht sich nur die Sinfonien Nr.6,8 und 9 separat zu kaufen.