In seiner letzten Einspielung der vier Brahms-Sinfonien erreicht Günter Wand ein ähnlich hohes Niveau wie bei seinem unvollendeten letzten Bruckner-Zyklus. Auch hier bevorzugt Wand wieder Live-Mitschnitte, um die Unmittelbarkeit und Lebendigkeit der Aufführung spürbar zu machen. Das NDR-Sinfonieorchester ist dabei ein herausragender Klangkörper, der an Schönheit und Ausdrucksvielfalt besticht und an Spielkultur selbst seine frühere Studioprokuktion mit Wand hinter sich lässt.
Ähnlich wie bei Bruckner, so erschließt Wand auch hier die Strukturen in Brahms Musik: seine Musik fließt, huscht aber nicht über die Noten hinweg; sie akzentuiert, ohne dabei jedoch in Manierismen zu zerfallen; sie atmet und vermittelt dennoch Brahms' "Erdenschwere". So reiht sich Wands Brahms als wichtige Ergänzung in die Reihe bedeutender Interpretationen wie Kleibers 4. oder Tosaninis Aufnahmen.
Dass die Aufnahme darüber hinaus noch in ihrer Rämlichkeit sehr realistisch klingt und viel Atmoshäre vermittelt, macht sie zu "meinem Klassiker".