Dieser Kriminalroman überzeugt zunächst durch die Sprache. Mit klaren Worten und (besonders in den fingierten Kafka-Texten) poetischen Bildern schafft es die Autorin, eine fesselnde Kriminalgeschichte vor dem Leser zu entfalten. Die zunächst etwas verwirrenden Handlungsstränge fügen sich nach einer Weile zu einem durchaus spannenden Netz, dessen Strukturen man gemeinsam mit der ermittelnden Staatsanwältin gern erkunden möchte. Dass dieser Roman ein Serienthriller ist, habe ich beim Lesen im Gegensatz zu anderen Rezensenten nicht als störend empfunden. Allerdings war ich nicht sicher, ob Staatsanwälte wirklich in so einschneidender Weise, wie hier beschrieben, in die tägliche Polizeiarbeit hineinwirken.
Was mich dagegen tatsächlich sehr gestört hat, war die Konstruktion des Endes. Ich fand den präsentierten Täter in mehrfacher Hinsicht nicht überzeugend und die Auflösung des Kriminalfalles erheblich unter dem Niveau des restlichen Textes angesiedelt. Weil ich beim Lesen aber die saubere, klare Sprache sehr genossen habe, trotzdem vier Sterne.