3.0 von 5 Sternen
Solide Abenteuerunterhaltung ohne Tiefgang, 30. Januar 2006
Rezension bezieht sich auf: Die Siedler Von Catan (Audio CD)
Ich kann meinem Vorgänger insgesamt nur zustimmen. Dieses Hörbuch beginnt verhältnismäßig spannend und macht schnell Lust auf mehr (der Aufbruch in eine neue Welt ist ein Thema, dass immer interessant wirkt). Leider wird das Niveau nicht über die gesamte Handlung hinweg gehalten: Die Abenteuer- und Aufbruchsproblematik weicht viel zu sehr einem schemenhaften Geschichtsdrama, das auf banale Weise den Beginn der Christianisierung skizziert und als Beginn in die Moderne darstellen will. Die Charakter werden darum auf stereotype Weise pauschalisiert unterteilt in gut oder böse. Alle haben ihre fest zugewiesene Rolle (Held, Bösewicht, Freund, usw.) und selbst die Protagonisten Gandamir und Osmund bleiben farblos, obwohl diese brudergleiche Beziehung viel Raum für ernsthafte Auseinandersetzungen gelassen hätte.
Doch darauf ist es hier wohl auch nicht angekommen, denn letztlich bietet "Catan" solide und partiell spannende, aber oberflächliche Abenteuerunterhaltung, die allerdings von Martin May exzellent gesprochen wird.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Schema F-Erzählung mit homophoben Tendenzen, 13. Dezember 2005
Rezension bezieht sich auf: Die Siedler Von Catan (Audio CD)
Vorweg: Den Roman habe ich nicht gelesen, ich kann mich also nur zum Hörbuch äußern. – Ich freute mich auf diese historische Erzählung mit dem berühmten Titel, der Einstieg gefiel mir...aber je weiter die Geschichte fortschritt, desto größer wurde meine Enttäuschung, am Ende ärgerte ich mich sogar.
Die Charaktere blieben farblos, der Handlungsverlauf wurde immer vorhersehbarer, die Schwarz-Weiß-Malerei der Charaktere und der Religionsgeschichte immer offensichtlicher. Den vorchristlichen Glauben zeichnete die Autorin so stereotyp wie es eben ging: uneinsichtig, rückwärtsgewandt, blutigen Opfern, Gewalt und herrschsüchtigen Hexen verschrieben. Das Christentum kommt in dieser Erzählung dagegen als die wahre Vernunft, als nachgiebig, friedliebend und fortschrittlich daher. Weiß man, wie in der Realität die Einführung des Christentums auch in Nordeuropa ihre Opfer forderte, erscheint die Erzählung der Siedler von Catan recht weichgezeichnet.
Am meisten habe ich mich jedoch gefragt, was die Autorin an der Schwelle zum 21. Jahrhundert bewogen hat, den „heidnischen“ Bösewicht Olaf, dessen Reich der Beschreibung nach am Ende deutliche Assoziationen zur Hölle weckt, nicht nur mit homophilen Zügen auszustatten, sondern ebenso mit der Neigung zu sadistischen Vergewaltigungen junger Männer? Natürlich wird er am Ende – eine Deutung nach Freud drängt sich geradezu auf – von seinem Opfer, an dem er sich gerade sexuell vergehen will, konstruiert „schuldlos“ mit einem Dolch durchbohrt. Der (heterosexuelle) Held Candamir dagegen wird mit positivsten Attributen (wagemutig, witzig, einsichtig, opferbereit, gerecht, charismatisch usw.) versehen, und dass er in der Vergangenheit seine Magd „nahm“, wann er wollte und sie, obwohl er ein Kind mit ihr hatte, verstieß, wird fast als Kavaliersdelikt der Flegeljahre eines wahren Kerls abgetan und am Ende dadurch gerechtfertigt, dass die Magd plötzlich als rachsüchtig und böse charakterisiert wird. Und natürlich erreicht der Held schließlich quasi das Paradies – Friede, Freude, Eierkuchen.
U.a. die Schlüsselszene, in der Candamir seine künftige Braut erobert (die natürlich "weiblich-schwach" wird, für ihn ihren Plan, unverheiratet und unabhängig bleiben zu wollen, auf- und sich ihm hingibt), fand ich so kitschig beschrieben, wie ich mir den Stil eines Groschenheft-Frauenromans vorstelle. Im übrigen war die Ehe der beiden aber so farblos wie die übrigen Charaktere gezeichnet.
FAZIT: Wer einfach gestrickte historische Erzählungen mit eindeutigen siegreichen Helden mag, kann sich an diesem Hörbuch ohne Weiteres erfreuen. Wer zu kritischerem Denken neigt, dem mag dieses Hörbuch so wenig wie mir gefallen.
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