Dalia Sofer Die September von Schiras
Carl Hanser Verlag ISBN 3446207678
Teheran im September 1981.
Das Schahregime ist gestürzt worden und die Mullahs haben die Macht übernommen.
Was anfänglich nach erforderlicher Revolution und Änderung der Verhältnisse aus eingefahrenen, korrupten und undemokratischen Strukturen aussah, wird zunehmend von marodierenden Massen, die bar jeglicher Rechtsgrundlage handeln, konterkariert.
Die Entmachtung der Reichen und Bevorzugten ist die eine Seite der Revolution. Auf der anderen Seite schwingen sich ehemalige Bedienstete zu Herrschern auf, die sich bitter rächen an denen, die sie bisher bedienen mussten, und die gelegentlich zuvor unter dem Schahregime ähnlicher Willkür ausgesetzt waren.
Am Beispiel der Geschichte des Juwelenhändlers Isaac Amin und dem Schicksal seiner Familie werden die traurigen Zeiten der Revolution veranschaulicht. Die Person Isaacs und seine Familie stehen für viele, die durch die Hölle der Gefängnisse und der Verfolgung gehen mussten.
Isaacs Familie gehörte zur Elite des Landes: gebildet, kultiviert, reich, weit gereist und von Luxus umgeben.
Sie ist doppelt gestraft, denn Isaac ist Jude, und Juden gelten hier wie überall in der Welt als besonders fragwürdige Ausbeuter und Geldmacher.
Die Familie hatte den Sohn Pamiz rechtzeitig zum Studium nach New York geschickt, wo er sich im Kreise orthodoxer Juden und in Armut wieder findet.
Isaac, seine Frau Fanaz und die Tochter Shirin sind in Teheran zurück geblieben.
Eines Tages wird Isaac abgeholt. Davor fürchten sich allmählich alle, die zu den Wohlhabenden und Einflussreichen des Landes gehört haben.
Mit atemloser Spannung und ungebrochenem Interesse folgt man Isaac auf seinem Weg ins Gefängnis, in das er ohne Begründung eingeliefert wurde. Die Verhöre, Grausamkeiten und Folterungen ohne hinreichende rechtliche Grundlage sind Legende.
Isaacs Firma wird beraubt, und seine Habe unter den revolutionären Banden aufgeteilt. Auch ehemalige Angestellte beteiligen sich an den Raubzügen.
In Teheran leben die Verwandten in steter Angst. Seine Frau und Tochter, Schwager, Eltern und Freunde,--ein jeder hat sein eigenes Schicksal. Allen gemeinsam ist der Verlust jeglicher Sicherheit, der Verlust an Würde, Geld und Gut. Zuletzt kann man nur versuchen, aus einem Land zu entkommen, das keine Gewähr für ein anständiges Leben in Sicherheit mehr bietet.
Die abenteuerlichen Fluchterlebnisse machen das Buch zu einer spannungsreichen Lektüre!
Dramatisch wird der Untergang ins Chaos angeprangert.
Anhand eigener biographischer Erfahrungen entwirft Dalia Sofer das Bild einer prosperierenden, weltlich und kulturell fortschrittlichen Nation, in der jedoch das Gefälle zwischen Reich und Arm zur Rebellion und zum Umsturz beigetragen hat. Nach dem Sturz des Schahregimes und mit der Machtübernahme durch Khomeini fällt das Land weit zurück in mittelalterliche Strukturen und in Anarchie.
Sofer lässt die Pracht und Herrlichkeit der Moscheen und Minarette leuchten. Vor unseren Augen finden wir dieses farbenprächtige Land, seine Städte und ihre Einwohner mit ihrem täglichen Leben in den schönsten Aussagen beschrieben.
Die Autorin hat mit ihrem Roman einen ehrlichen und geschichtlichen Beitrag zum Land ihrer Herkunft geleistet.
Neben der Unterhaltung bietet das Buch Anschauungsmaterial zum Drama des Untergangs einer zivilisierten und kulturell hoch angesehenen Nation.
Das Buch ist sehr empfehlenswert!