Ich habe das Buch gelesen, bevor ich selbst Sekem besucht habe, es sollte mich einstimmen auf die Begegnung mit diesem Unternehmen in Ägypten, das mittlerweile auch den deutschen und den internationalen Markt mit seinen Produkten beliefert und für seine zukunftweisende soziale Wirtschaftsweise mehrere Preise, u.a. den alternativen Nobelpreis erhalten hat.
Abouleish erzählt hier sein Leben als eine fröhliche Erfolgsgeschichte. Ich kenne diese Manier und dachte zuerst, es handele sich eben um eine Erzählung des Schemas "Wie ich wurde, was ich bin - ich, der Größte". Als ich dann aber auf Sekem angekommen war, habe ich begriffen: Es handelt sich um eine Ermutigung und in gewisser Weise auch um eine Anleitung, wie man eine Vision, einen Traum verwirklichen kann. Abouleish berichtet von dem Mut, sich ins Unbekannte zu wagen (nämlich gegen den Willen der Eltern, aber nicht ohne ihre Liebe, ein Studium in Europa aufzunehmen), er erzählt von der Beherztheit, sich mit Haut und Haaren in dieses Studium, in die österreichische Kultur und schließlich in eine europäische Karriere zu stürzen und jede Anregung aufzunehmen, die ihm begegnet, - ohne jemals, das ist sehr wichtig dabei, seine muslimische und ägyptische Identität zu verlieren. Auch nicht an die Anthroposophie, die ihn nicht zum Christsein umstimmt, sondern ihn dazu anregt, den vertrauten Islam neu für sich zu entdecken. Und in der Mitte seines Lebens fährt er nach Ägypten, um seinen Kindern sein Land zu zeigen, sieht dessen Not - und alle gesammelten Eindrücke verdichten sich zu einer Vision: die Wüste, so grün wie Europa, Menschen, so unbeschwert und gesund wie in Europa, menschliches Schaffen in Arbeit, Kunst und Religion, ein Ort also, in dem die Blumen blühen wie in jenem Paradies, das der Koran verspricht.
Die folgenden drei Viertel des Buches erzählen dann, wie man mit entschlossenem Willen seiner Vision treu bleibt, wie man sich von ihr die Richtung weisen lässt, in die Hindernisse überwunden und Zukunft geplant werden müssen, und wie man aus ihr die Kraft gewinnt, große Schwierigkeiten auszuhalten und eine Unmenge Arbeit zu investieren. Nicht als Ich, der Größte, sondern als Diener Allahs.
Wenn man will, kann man das Buch natürlich als Gebrauchsanleitung dafür lesen, wie man in der 3. Welt ein Unternehmen aufbaut, das schließlich mit seinen sicheren Arbeitsplätzen und seinen zahlreichen sozialen Einrichtungen von seinem Standort nicht mehr wegzudenken ist und dessen kulturelle Impulse die ganze Region verändern. Für mich war es zuinnerst eine Anregung, mich nach meinem eigenen Traum zu fragen und, wie er so gelebt werden kann, dass etwas, das vorher Wüste war, blüht und der Menschheit dienlich ist.