Seit sie denken kann, zieht die jetzt 18 jährige Alessandra mit ihrer Familie durch die Lande und tritt als Seiltänzerin auf Jahrmärkten auf. Ihr wertvollster Besitz ist ein Amulett das ihrer Mutter, die kurz nach ihrer Geburt verstarb, gehörte. Ihren Vater hat sie nie kennen gelernt.
Aufgezogen haben sie ihr Großvater, den sie liebevoll Papo nennt, und die alte Wahrsagerin Sanchari. Diese bringt ihr viel über Kräuter- und Heilkunde bei.
Alessandra liebt ihre Familie, träumt aber insgeheim von einem anderen Leben. Doch Papo hat sie schon Sami versprochen. Einen jungen Gaukler, den Alessandra weder lieben noch heiraten will.
Ihre Sehnsucht nach einem anderen leben wird weiter geschürt, als sie im Wald einen ohnmächtigen und verletzten Ritter findet. Zusammen mit Sanchari, die sich anfangs sehr sträubt, pflegt sie ihn gesund. Das ist nicht ganz ungefährlich für die beiden Frauen, denn das fahrende Volk ist nicht gern gesehen und Kräuterkunst ist für die katholische Kirche Hexerei.
Hals über Kopf verliebt sich die junge Frau in den Edelmann und träumt fortan von einer gemeinsamen Zukunft. Sanchari versucht mit aller Macht ihr das auszureden. Vergeblich.
Als die Ereignisse sich überstürzen, Sanchari stirbt und die Gauklertruppe wird eines Mordes bezichtigt, flieht Alessandra rauf zur Burg des jungen Ritters, um sich als Magd zu verdingen. Wenn sie schon nicht mit dem Ritter Simon von Ravenstein zusammen leben kann, so möchte sie doch in seiner Nähe sein.
Auf der Burg erwarten die bildhübsche Frau keine rosigen Zeiten, ihr Angebeteter soll sich mit einer Adligen verloben und die Kirche lässt Hexenprozesse und Verbrennungen auf der Burg abhalten. Auch die Pest macht vor den Toren der Stadt nicht halt.
Gerät Alessandra durch ihr Wissen und die Anwendung der Kräuterkunst bals selbst ins Visier der Inquisitatoren?
Gabriele Breuer erzählt uns ihre Version von Aschenputtel" in schönen, ausdruckstarken Bildern. Spannend und abstoßend zugleich fand ich ihre Darstellung der Inquisition und der Hexenverfolgung. Was heute weitgehend als Mobbing bezeichnet wird konnte damals weit tödlichere Folgen haben. Ein ganz dunkles Kapitel in der Geschichte der katholischen Kirche.
Einfühlsam finde ich die zarten Beschreibungen der Annäherungen zwischen der Fahrenden und dem Adligen. Auch wenn man von Anfang an ahnt, dass hinter der armen Seiltänzerin mehr steckt, tut dies der Spannung keinen Abbruch.