Historische Romane sind für mich oft Werke, die entweder total trocken und sachlich gehalten sind, oder durch eine altmodische Sprache den Lesefluss hemmen. Es gibt jedoch auch historische Literatur, die sich flüssig lesen lässt und den Leser auf Grund von historischen Informationen und einer Portion Spannung bis zum Schluss fesselt. In diesem Fall kann ich vorab schon sagen, dass 'Die Seifensiederin' für mich zu der zweiten Kategorie gehört.
Der Leser wird in das Jahr 1666 entführt. Ambra ist die Tochter einer arabischen Sklavin und eines einfachen Kaufmanns. Alle drei kennen sich mit dem Seifesieden und der Kräuterheilkunde aus. Als sie auf Grund eines Unwetters alles verlieren, machen sie sich auf den Weg zu einem anderen Ort. Auf ihrer Reise erkrankt Ambras Mutter so sehr, dass für einige Zeit in einem Ort bleiben müssen. In einer Zeit, wo Wasser und waschen als tödlich gelten, ist es nur verständlich, dass Seifensiederinnen gerne als Hexen angesehen werden. Als die Familie, die durch ihre Kenntnisse sehr reinlich ist, völlig gesund bleibt, während alle um sie herum krank werden oder sterben, ist klar, dass es sich um Hexen handelt, die verbrannt werden müssen. Lediglich Ambra kann fliehen. Unterwegs begegnet ihr Mathieu ein einfacherer Junge, der als Fuhrmann arbeitet. Obwohl er weiß, wer sie ist, verhilft er ihr zur Flucht. Dafür begeht er sogar einen Mord. Gemeinsam begeben sie sich auf den Weg nach Paris. Immer auf der Flucht und der Gefahr im Nacken entdeckt zu werden, denn der Mord blieb nicht unentdeckt. Die gemeinsame Reise schweißt die Zwei zusammen, sodass am Ende wahre Liebe im Spiel ist. In Paris angekommen glauben sie sich am Ziel ihrer Reise. Dabei vertrauen sie den falschen Menschen und werden getrennt. Mathieu landet als billige Arbeitskraft in einer Besserungsanstalt während Ambra verzweifelt nach ihrem Liebsten sucht.
Die fiktive Geschichte spielt in einer Zeit, die für unsere heutige Generation völlig unverständlich ist. Seife, Wasser und allein das Waschen galten als lebensgefährlich. Die Menschen stanken wie die Pest und starben auf Grund des Schmutzes wie die Fliegen. Diesen historischen Aspekt vermittelt die Autorin durchaus authentisch. An Hand der einleitenden Daten war sofort ersichtlich in welcher Zeit die Geschichte spielt.
Gleich zu Beginn lernt der Leser die Protagonistin Ambra kennen. Damit die Figur für den Leser besser verständlich ist, beginnt die Einführung in die Geschichte zu einem Zeitpunkt, wo ihre Eltern noch am Leben sind. Dadurch wird ihr späteres Handeln, ihre Ängste und die Dramatik der damaligen Zeit einfach anschaulicher. Man leidet, fürchtet, zittert und freut sich stets mit der Protagonistin.
Wenig später kommt Mathieu, die zweite Hauptfigur, hinzu. Damit beginnt die Geschichte für mich etwas undurchsichtig und gestellt. Trotzdem ich diesen Abschnitt ein weiteres Mal gelesen hatte, konnte ich nicht nachvollziehen, warum ausgerechnet Mathieu ihr hilft. Schönheit oder die Tatsache, dass sie etwas gemeinsam haben, kann es nicht gewesen sein. Hier hätte die Autorin etwas genauer drauf eingehen müssen, damit es realistischer wirkt.
Nichtsdestotrotz ist es schön zu lesen, dass die beiden Protagonisten so gut miteinander auskommen. Ihre Reise nach Paris ist voller Spannung und Nervenkitzel. Mit wenig Mitteln sind sie auf der Flucht, müssen überleben, mit einigen Tricks an Geld kommen und aufpassen, dass man ihnen nicht auf die Spur kommt. Dabei achtet die Autorin strickt darauf, dass ihre Protagonisten immer ehrlich, freundlich und naiv daherkommen. Teilweise ist es faszinierend zu lesen, wie blauäugig die Zwei mit manchen neuen Situationen umgehen, und dadurch in Gefahren geraten, die authentisch dargestellt wurden. Man hatte nicht das Gefühl, dass hier versucht wurde die Protagonisten immer gut wegkommen zu lassen. Oft haben sie Glück, aber oft müssen sie um ihr Leben fürchten. Dadurch wird es nur selten etwas langatmig.
Dazu kommt die zarte Liebesgeschichte die sich hier anbahnt. Unverdorben und mit wenigen Worten beschrieben, ahnt der Leser mehr als das er durch Sex und nackte Tatsachen gefesselt wird. Dies ist einer der Gründe, warum mir die Liebesgeschichte besonders gut gefällt. Das es hier ein Happy End gibt, ist da alles andere als kitschig. Kitschig finde ich eher den Schluss, als der weitere Verlauf von Ambra, Mathieu und ihrer Ehe im Zeitraffer geschildert wird. Es ist interessant und beantwortet die Fragen, die Leser am Ende der Geschichte sonst gehabt hätten, aber einige Details wirkten nur kitschig.
Generell wirkte der Schluss etwas abgehackt. Das liegt daran, dass Angeline Bauer eine Idee einbaut, die Spannung fördert und statt dies wirklich auszukosten, sucht sie verzweifelt nach einem schnellen Ausweg. Dieser wirkt zwar logisch aber deplatziert.
Ansonsten ist das Buch flüssig zu lesen und es macht großen Spaß. Auch andere Ansätze hätten mehr ausgebaut werden können, aber den Lesefluss hemmt es nicht. Im Gegenteil es verkürzt ihn eher. Für meinen Geschmack hätte die Autorin gerne 50 Seiten mehr daraus machen können. Da sie es aber nicht hat, ist es eben ein kurzweiliges und leichtes Vergnügen mit minimalen Schwächen.
===Bewertung===
'Die Seifensiederin' ist ein Werk, welches sich mit einer interessanten historischen Seite befasst - der Hexenverfolgung auf Grund der Tatsache, dass man etwas anders ist. Die Autorin setzt die Thematik gekonnt und bildhaft um, baut ausreichend Spannung ein, nutzt jedoch einige Ansätze nicht aus. Diese kleinen Schwächen sorgen für eine Empfehlung und drei Sterne.