Ich hab mich zunächst sehr über das Buch gefreut. Ein schöner dicker Schmöker, äußerlich sehr schön gestaltet. Zunächst las es sich auch ganz gut. Ein bisschen irritiert haben mich die Straßenbezeichnungen. Ich bin keine Kölnerin, aber ich kenne den Alter Markt in Köln eben als der "Alter Markt", will heißen, dass das "Alter" nicht mit dem "Markt" dekliniert wird. Dies hält die Autorin anders, dabei ist sie doch laut Klappentext eine gebürtige Kölnerin, die ihrer Heimatstadt treu geblieben ist. Das ist eine Bagatelle, aber es hat mich tatsächlich irritiert.
Ich habe mich tapfer durch die gesamte Lehrzeit der Protagonistin Fygen gekämpft, fand, dass der Anfang recht langatmig, wenn auch nett geschildert wurde, dafür aber die Lehrjahre bei ihrer Freundin Katryn zu kurz kamen. Das ist schade, zumal sie ja auch dort ihren zukünftigen Ehemann Peter richtig kennen lernt. So kommt die plötzliche Hochzeit der beiden tatsächlich ein wenig zu plötzlich. Soweit war ich also glücklich gekommen, immer nur gestört von solchen Bagatellen.
Als aber Peter seine Braut Fygen nun in sein Schlafzimmer führt, und dieses männlich nach Leder und Tabak riecht, konnte ich nicht mehr weiterlesen.
Das Buch mag ansonsten bezüglich der Seidenweberei gut recherchiert sein. Es mag sein, dass es einen guten Überblick über das mittelalterliche Köln gibt (wenn man mal von der Ungenauigkeit mit dem Alter Markt absieht). Aber anstatt Tabak zu erschnuppern, hätte Fygen genauso gut auf dem Heimweg von ihrer Trauung am Himmel Kondensstreifen eines Flugzeugs erblicken können. Das Buch beginnt im Jahr 1458 mit Fygens Geburt, und 1474 heiratet sie. Sie kann schlicht und ergreifend in Köln zu dieser Zeit noch keinen Tabak gerochen haben, wenn dieser erst ab 1492 aus der "Neuen Welt" nach Europa kam. So eine grobe Ungenauigkeit darf in einem historischen Roman, der mehr sein möchte als nur eine Liebesgeschichte, die halt nicht heutzutage, sondern vor 600 Jahren spielt, nicht passieren.
Deswegen mochte ich nicht mehr weiterlesen.