Es ist mitten in der Nacht, als Eulenfrau durch seltsame Geräusche erwacht, die nur sie zu hören scheint. Sie schleicht sich aus dem Tipi und Lager, entdeckt gerade noch rechtzeitig die Krähen und kann ihre Sippe warnen. Während des erbitterten Kampfes hält sie sich versteckt im Wald, bis einer der Crows sie findet, niederschlägt und entführt. Damit beginnt die Geschichte um Eulenfrau, die junge Cheyenne. die erst vierzehn Winter gesehen hat. Ihre einstige Absicht, bei der nächstbesten Gelegenheit zu fliehen, verwirft sie schon bald, da sie als Tochter von Gelbe Hand angenommen wird und durch abenteuerliche wie gefährliche Erfahrungen sich die Anerkennung in ihrem neuen Dorf erwirkt. Immer weniger fühlt sie sich als Tsis-tsis-tas, sondern mehr und mehr als Arikara, zu den Crows gehörende Cheyenne. Doch ihre Sehnsucht nach Wolfsgesicht, dem jungen tapferen Krieger aus ihrem Herkunftslager, mit dem sie ihr Tipi teilen wollte, bleibt. Als sie sich für vier Tage und Nächte auf den heiligen Berg zurückzieht, um ohne Wasser und Brot zu meditieren, hat sie die Vision, dass das Lager überfallen wird. Doch was soll sie tun? Wer würde ihr, der jungen Frau, Glauben schenken, dass ihre Visionen sich bewahrheiten könnten? Und auf einmal sieht sie sich zwischen ihren Emotionen verhangen, als ihr Herkunftsstamm die Krähen angreift, um sie zu befreien. Sie leidet mit den Kriegern, sie weint um jeden Toten, denn irgendwie sind alles ihre Verwandten, egal, zu welchem Stamm sie gehören, sie möchte ihren Stiefvater warnen, aber den leiblichen Vater nicht verraten, möchte Wolfsgesicht helfen, sein Gesicht als großen Krieger zu wahren, doch ihrem Stiefbruder nicht in den Rücken fallen. Doch der große Geist gibt ihr eine Antwort auf diese viele Fragen und sie weiß, was sie zu tun hat, macht sich allein auf den Weg, nichts ahnend, wie beschwerlich dieser sein wird und mitten hinein geratend in den grausamen Kampf der Weißen gegen die Indianer um das weite Land...
Thomas Jeier ist hier ein schöner Roman gelungen, der in die Denk- und Lebensweisen einzelner Stämme um das Jahr 1863 Einblick gewährt und dabei einen Teil der Lebensgeschichte von Eulenfrau beschreibt.