Als Schauspieler ist Ulrich Tukur einer der ganz Großen. Als Schriftsteller sicher nicht.
Und doch sind seine Erzählungen reizvoll und nachhaltig.
Er besingt auf ganz unterschiedliche Weise die Stadt, in der er seit vielen Jahren lebt: Venedig.
Nun sind die Liebeserklärungen an die Serenissima ja nicht eben neu! In jeder Saison erscheinen Bildbände und Reisebeschreibungen, beinahe jeder, der etwas auf sich hält im deutschen Kulturbetrieb hat auch schon über Venedig geschrieben.
Ulrich Tukur reiht sich also ein und ist doch ein wahrhaft Berufener: Nicht nur weil er in dieser Stadt zu Hause ist. Ein ganz wichtiger Aspekt ist außerdem seine differenzierte Wahrnehmung, mit der er seine subjektiven Erfahrungen in der Stadt schildert.
Dabei fabuliert er munter drauflos, vermischt Autobiographisches und Erfundenes und bringt den Leser zum Staunen!
In diesem Band finden sich ganz unterschiedliche Momentaufnahmen, allesamt tragen eine ganz eigene Stimmung in sich, beschreiben Menschen, die von "ihrer" Stadt geprägt wurden und Erlebnisse, die man sich schwer in Berlin, Hamburg oder München vorstellen kann.
Nachdem es anfangs ein wenig mühsam war, den Gedankengängen Tukurs zu folgen, haben mir die venezianischen Kurzgeschichten immer mehr Spaß gemacht. Wie immer bei Erzählbänden: Nicht alle Geschichten haben die gleiche Qualität. Aber alle lohnen sich!