"Die Seelenjägerin" ist der Auftaktband einer Trilogie. Dementsprechend werden in dem Buch nicht alle Fragen beantwortet, die es aufwirft. Das ist aber auch gut so, denn dadurch - und durch Celia Friedmans Talent, komplexe und glaubhafte Charaktere zu erschaffen - packt das Buch den Leser richtig. Zugegebenermaßen dauert es ein paar Kapitel, bis die Story ihr Publikum komplett in den Bann zieht. Danach lässt sie einen dafür jedoch nicht mehr los!
Das Flair des Buches ist episch und ab und an durchaus düster. Der Stil liest sich angenehm flüssig, die Welt ist in sich stimmig und interessant und das Magiekonzept vielleicht nicht umwerfend innovativ, aber dennoch einleuchtend, fesselnd und weit weg von den üblichen Formeln, derer sich ein Gros der Fantasy-Autoren bedienen. Das große Plus des Buches sind allerdings seine gut ausgearbeiteten Charaktere. Durch ihre Augen betrachtet der Leser die Welt, ihre Erfahrungen geben ihm ein Gefühl davon, was richtig und was falsch ist.
Schön ist außerdem, dass es der Geschichte gelingt, sich mit gehaltvollen Themen zu beschäftigen, ohne lehrerhaft den Zeigefinger zu erheben. Gleichheit der Geschlechter, die Bereitschaft, etwas von sich zu opfern, um einem anderen zu helfen sowie die Kompromisslosigkeit, anderen Leuten zu schaden, um einem höheren Ziel zu dienen: Gedankenspiele dieser Art webt die Autorin gekonnt in ihren Roman ein. Diese universellen Fragen treiben die Handlung voran, ohne dass das plakativ oder aufgesetzt wirkt.
Wer charakterorientierte Fantasy mag, die durchaus einmal tiefer geht als nur an der moralischen Oberfläche zu kratzen, für den ist "Die Seelenjägerin" genau das Richtige. Leser, die an den Tamír-Romanen von Lynn Flewelling Gefallen gefunden haben, sollten definitiv einen Blick in das Buch hinein wagen. Celia Friedman hat einen Trilogieauftakt geschaffen, der eindeutig den besten Erstveröffentlichungen des Jahres 2009 zugerechnet werden muss!