Als der Schotte Ian Rankin 1987 mit "Verborgene Muster" seinen ersten Kriminalroman mit seinem Detective Inspector John Rebus aus Edinburgh veröffentlichte, das ahnte er nicht , daß er auch noch 2005 an dieser Reihe schreiben sollte. Es dauerte damals auch vier Jahre, bis er den zweiten Band "Das zweite Zeichen" vorlegte. Dann aber folgten weitere 13 Bände quasi im Jahresrhythmus. In Deutschland wurde Ian Rankin erst im April 2000 mit seinem ersten Band von Goldmann präsentiert, und er schlug ein wie eine Bombe. Kein Wunder, daß nun mit dem vorliegenden Buch alle Werke von Ian Rankin auf Deutsch vorliegen.Interessanterweise bilden die drei letzten, nachträglich als Taschenbuchpremieren erschienenen Bände der vorzüglichen Krimireihe "Das Souvenir des Mörders", "Die Sünden der Väter" und das nun vorliegende Buch so etwas wie die Mitte der ganzen Serie.
John Rebus, Rankins Hauptfigur, ist ein altgedienter Detective, den sein Beruf immer wieder in die dunklen Winkel seiner Heimatstadt Edinburgh führt. Weit ab von der Postkartenromantik der offiziellen schottischen Metropole ermittelt er in Mordfällen, in denen das Böse nicht als singuläres Verbrechen erscheint, sondern als komplexes, unterirdisches Geflecht, das überall an die Oberfläche brechen kann. Rebus ist Mitte fünfzig, geschieden, Einzelgänger - und das nicht nur privat, sondern zum Ärger seiner Vorgesetzten auch im Berufsleben. Im Grunde hat er nur eine Vertraute: seine Kollegin Siobhan Clarke. Rebus raucht zu viel, trinkt zu viel ( auch wenn er im vorliegenden Buch eine trockene Phase hat), und seine Stammkneipe, die Oxford Bar, ist wohl die einzige der Stadt, die über einen Noteingang verfügt. Doch trotz aller Probleme und Reibereien mit seinen Vorgesetzten braucht Rebus seinen Beruf wie die Luft zum Atmen. Vielleicht weil er sein eigenes Leben für eine Weile vergisst, wenn er in das Dasein anderer Leute und in die Abgründe seiner Stadt eintaucht.
Leider vergisst Rebus neben seinem eigenen Leben auch dasjenige der Menschen, die ihm am nächsten stehen. Im neuen Buch tauchen die "Seelen" vieler dieser Menschen, die seinen Weg gekreuzt haben und an denen er sich schuldig gemacht zu haben glaubt, wieder auf, verbunden mit vielen, für den Fan der Serie neuen, Informationen zu Rebus' Biographie und Vergangenheit. Auch in diesem Band schafft es Rebus nur mühsam, seine vermischten Gefühle im Zaum zu halten und befindet sich bei der Lösung diverser paralleler Fälle wieder einmal dauernd am Rand des eigenen Lebens...
Ian Rankin zeigt auch in diesem Buch, dem 11. der ganzen Reihe, daß er einer der besten aktuellen Krimischriftsteller ist.