*Sie wehrte sich. Sie strampelte, wand sich und schaffte es, den Kopf zur Seite zu drehen. Sie prustete. Mit Schrecken erkannte er, dass er die Kontrolle verlor. Die Kraft der Verzweiflung vervielfachte ihre Kräfte. Als ihr Kopf ihm entglitt, ergriff ihn Entsetzen. Er schlug wild auf sie ein ... Die Magd verschluckte sich, hörte zu schreien auf, bedeckte den Kopf mit den Händen und wimmerte.
Fassungslos schaute er auf sie herab. Nun, wo ihr Widerstand aussetzte, kam das Begreifen über ihn. Ein Schlottern erfasste seine Knie, ihm begann zu schwindeln, und mit einem Mal überkam ihn Übelkeit: Um ein Haar hätte er die Frau umgebracht, aber sie war nicht tot, ob das besser oder schlechter war, wusste er nicht, er wollte nur fort von hier, nichts wie weg, da kommt der Gewaltrichter, ich höre ihre Schritte, da, sie lachen, ich muss weg, weg, nichts wie weg, er fuhr herum und ergriff blindlings die Flucht.*
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"Ein Werwolf wurde bei Köln gefangen und aufs Rad geflochten", so lasen es die Menschen in Köln und vielen weiteren Städten gegen Ende des 16. Jahrhunderts. Den Werwolf Peter Stubbe nämlich, der mit dem Teufel einen Pakt geschlossen und zahllose Menschen gerissen haben soll. Ein Mann, der all die Jahre als angesehener Schöffe lebte und das Protestantische gegen die Katholischen verteidigt hatte.
Es ist Krieg in Deutschland, mal flammt er hier, mal dort auf, mal sind es die Spanier, mal die Niederländer, mal die Bayern, die eine Spur der Verwüstung auf ihren Wegen hinterlassen. Da fallen die ersten Morde nicht ins Gewicht, die sich in der Umgebung von Bedburg in der Nähe von Köln ereignen. Gäbe es da nicht Gerüchte über herausgerissene Kehlen, die der Grund zu allerlei Mutmaßungen sind, würde sich keiner an die Morde erinnern.
So aber beginnt die Furcht vor einem Werwolf umzugehen, nachdem sich die Morde häufen. So ganz falsch liegen die Menschen dabei nicht: Der Täter lebt unauffällig unter seinen Mitmenschen, bis seine dunkle Seite ihn übermannt und er, gleichsam nicht mehr er selbst, die Morde begeht. Zunächst geschieht diese Verwandlung eher selten. Aber mit der Zeit verliert er mehr und mehr die Kontrolle und mordet immer öfter.
Die Geschichte um Peter Stubbe zeichnet den Weg eines Serienmörders aus der Zeit der Gegenreformation nach - Eine Ungewissheit aber bleibt: War es wirklich Peter Stubbe? Oder doch eine ganz andere Person ...?
Städtische Ratsherren, Grafen und Erzbischöfe, Spielleute, Bauern, Merode-Brüder und Landsknechte sind die Protagonisten in diesem Spiel um Macht und Recht, Furcht und Kampf.
Der Werwolf-Mythos zur Zeit der Hexenverfolgungen, die fundiert recherchierte Historie kirchlicher Auseinandersetzungen am Ende des Mittelalters und die aktuelle kriminologische Forschung zum Psychogramm von Serienmördern vereinen sich in diesem Buch.
Ein Thriller, der politischer und historischer Roman zugleich ist. Ungemein fesselnd erzählt und dazu unglaublich spannend - Die historische Kriminalliteratur wird wieder spannend, dank Autoren wie Ruben Philipp Wickenhäuser.
[Reinhard Busse]