Safranski hat sich einmal in einem Interview geäußert, dass ihn kaum etwas so langweile wie die Texte sprachanalytischer Philosophen. Dieser Ausspruch fiel mir ein, nachdem ich das Büchlein von Manuela Di Franco gelesen hatte.
Dem sprachanalytischen Ansatz, dem die Autorin verpflichtet ist, liegt die Idee zu Grunde, man könne nicht denken ohne zu reden. (Man kann aber im übrigen auch nicht denken ohne zu atmen u.a.m.) Und deshalb befasst man sich dann sprachphilosophisch mit der Art und Weise, wie man etwas bereden kann. Dass man allerdings über etwas - und auch ganz vieles - reden kann, ohne dabei zu denken oder etwas zu wissen - das kennt jedermann aus alltäglichen Erfahrungen! Und so wurde ich durch die Lektüre des Textes, der zweifellos ansprechend geschrieben und stimmig aufgebaut ist, zwar darüber aufgeklärt, wie man über seelische Dinge im Alltag spricht: nämlich metaphorisch. Aber warum das so ist, weshalb man über manche Sachverhalte nur in Bildern, über andere jedoch in Begriffen reden kann, das wurde mir damit noch nicht erklärt. Ebenso nicht, worin denn nun genau der Unterschied und die Zusammenhänge zwischen Gefühlen und Gemütszuständen im Gegensatz zu Gedanken oder Erkenntnissen begründet liegen.
Ein Individuum hat ja doch immer beides zugleich: Gefühle, Gemütslagen, seelische Gestimmtheiten und auch Gedanken, Einsichten und Meinungen zu sich selbst, seinem praktischen Leben und über die Welt 'da draußen'. Nicht nur die unterschiedliche Redeweise (metaphorisch vs. begrifflich), sondern auch eine Aufklärung über die inhaltliche Bestimmtheit dieser Unterschiede zwischen 'Bauch' und 'Kopf' bzw. ihrer Abhängigkeiten (z.B. der Einfluss von Gedanken auf das Gemütsleben etc. pp) wäre dann für mich das eigentlich Spannende gewesen. Wie man im Sprachgebrauch differenziert zwischen Seelischem und Geistigem, Bewusstsein, Ich und Selbst, bleibt langweilig, wenn man unterlässt, die benannten Unterschiede inhaltlich zu bestimmen, sie auf den Begriff zu bringen und so dem Leser 'begreifbar' zu machen. Schade!