Der Kunsthistoriker Max Morden und seine Frau Anna sind glücklich miteinander verheiratet. Eines Tages erhält Mordens Frau ihren Untersuchungsbefund: Krebs. Nicht nur für sie, insbesondere auch für ihren Mann, bricht eine Welt zusammen. Die unheilbare Krankheit bedeutet, die Tage, die sie noch gemeinsam zu leben haben sind gezählt. Die letzten Tage verbringt er bei ihr im Krankenhaus.
Nach dem Tod flieht Morden in eine irische Pension, einem kleinen Haus am Meer, um zu reflektieren und innere Einkehr zu halten, sich mit dem bitteren, erlittenen Verlust zu versöhnen. In diesem Haus hat er schon als Kind Ferien verbracht. Und so tauchen in seiner Erinnerung Szenen von damals wieder auf, werden wie die Wellen an den Strand gespült und fliehen zurück ins Meer. Und hinter der schimmernden Fassade türmen sich auch immer Grausamkeiten und Kälte auf. Kleine Geheimnisse, die es in seinem Leben gab, klären sich auf, andere bleiben bestehen. Und so erinnert er sich besonders an die aus dem Rahmen fallende Familie Grace, die mit ihrem Zwillingspärchen Myles und Chloe früher auch hier in dieser Pension Ferien verbracht hat. Es war die Zeit wo bei Max in der Pubertät die Sexualität erwacht, wo die wildesten Phantasien sich in ihm auftaten. Und in seinen Träumen zieht Mrs. Grace Max magisch an, weckt eine unstillbare Sehnsucht in ihm. Später, so erinnert er sich, hat er sich dann in Chloe verliebt. Diese Bilder vermischen sich ständig mit denen, die er in Liebe, Glück, Harmonie und Zufriedenheit mit Anna verlebt hat.
Eigentlich hat das Buch wenig Handlung, aber es ist so wunderbar erzählt, unglaublich gut geschrieben. Eine präzise, sehr phantasievolle Sprache von großer Musikalität. Auch wenn es ganz kühl daher kommt, arbeitet es atmosphärisch ausgesprochen dicht. Eine meisterhafte Prosa. Es gibt viele Reflexionsebenen, die der Autor, in diesem todtraurigen und melancholischen Werk, bei der Betrachtung der vielen Bilder und Details entwirft. In jeder Hinsicht ein hervorragendes Buch.