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Die See [Gebundene Ausgabe]

John Banville , Christa Schuenke
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (15 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch (24. August 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 346203717X
  • ISBN-13: 978-3462037173
  • Originaltitel: The Sea
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13,4 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (15 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 55.052 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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John Banville
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Produktbeschreibungen

Frankfurter Allgemeine Zeitung 04.10.2006

Als die Flut kam, gingen die Götter Ein Orkan in der Streichholzschachtel: John Banvilles meisterhafter Roman "Die See" / Von Michael Maar  Jeder Satz dieses Buches ist klanglich und rhythmisch durchgeformt, wovon die fast schlackenlose Übersetzung Christa Schuenkes immerhin einen Eindruck vermitteln kann. Banville ist berühmt für die Fülle seiner Bilder und Details: die Wellen, die eifrig herangetrappelt kommen, um gleich wieder den Rückzug anzutreten wie eine Schar von zwar neugierigen, aber dabei auch furchtsamen Mäusen; der Wind über dem Meer, der die Wasseroberfläche in scharf gezackte, metallisch blitzende Splitter zerfetzt; der abkühlende Motor, der mißbilligend mit der Zunge schnalzt. Seine Prosa ist auf der Molekularebene ebenso meisterhaft wie als große Form. Meisterhaft sind das Spiel der Assonanzen und die Kunst des Beiworts (man lese, wie er die Augen von Teddybären beschreibt); meisterhaft ist das wellenartige Gleiten zwischen vier oder fünf Zeitschichten, die durch den medusenhaften Erzähler strömen; meisterhaft ist das Plot-Mobile von japanischer Anmut und Raffinesse.

"Sie sind gegangen, die Götter, am Tag dieser eigentümlichen Flut." Daß dieser erste Satz schon das überraschende Ende verkapselt, zeigt sich erst im letzten Kapitel; wie man überhaupt erst bei der zweiten Lektüre merkt, daß die Pünktchen schon alle verstreut waren, die im Finale durch den Schwung einer Linie verbunden werden. Es gibt kein blindes und kaum ein myopes Motiv in diesem Buch, dessen Komposition so kunstvoll sein muß, weil es so viel Schreckliches zu bändigen hat. Aber "schrecklich" ist als Wort noch fast zu schwach für das Dunkle, ja Finstere dieses in seiner Kunst so hell strahlenden todtraurigen Werks.

Banville erfreut den Leser auf jeder Seite, aber er terrorisiert ihn auch. Unvergeßlich die Szene, in der Mordens Frau ihren Befund erfährt: die routinierte Antwort des Arztes auf ihre vorher geübte, scheinforsche Frage, ob sie die Todesstrafe oder "lebenslänglich" bekomme - "So schnell lassen wir Sie nicht fort" -, das Gefühl des Ehemanns, von jetzt an auf einem anderen Planeten zu leben und mit seiner Frau ein unsagbar schmutziges und tiefste Verlegenheit auslösendes Geheimnis zu teilen; die Nächte neben ihr, in der die Todesangst wie ein Dynamo unaufhörlich kreist; der Schmerz danach, der als Wutanfall gegen diejenige explodiert, die ihn einfach allein in der Misere zurückgelassen hat - all die Nuancen und Ausartungen der Trauer werden in Worte gefaßt, die man so schnell nicht wieder aus der Hirnkammer entlassen kann. Was sich dahinter abzeichnet, ist etwas Neuplatonisches. Der vage Künstler Max drückt aus, was sein rigoroser Schöpfer insgeheim erstrebt. Das Ziel ist, nicht mehr Fleisch zu sein, sondern durch und durch verwandelt zu werden in den "zarten Stoff des aller Leiden ledigen Geistes" - sprich, in Literatur. Wozu sie dienen kann und wozu sie gut ist, daran erinnert Banvilles Meisterwerk - daran, wie sie das scheußlich Wahre in gebändigt vibrierender Form einfangen und den Orkan in die Streichholzschachtel bannen kann; und daran, mit welcher Wucht er in ihr toben muß.

Kurzbeschreibung

Alles hängt miteinander zusammen. Anna und der Kunsthistoriker Max sind glücklich verheiratet, als sie erfahren, dass Anna unheilbar an Krebs erkrankt ist und nicht mehr lange leben wird. Nach ihrem Tod flüchtet Max ans Meer, in den Ort, in dem er als Kind aufregende Sommer verlebte. Damals lernte er die unkonventionelle Familie Grace kennen mit ihrem Zwillingspaar Myles und Chloe. Mrs. Grace zieht den jungen Max magisch an und erweckt eine große Sehnsucht in ihm. Indem sich Max fast manisch erinnert, an seine erwachende Sexualität in diesem Sommer, an seine erotischen Phantasien und die spätere Liebe zu Chloe, an seine glückliche Zeit mit Anna und ihre letzten Tage im Krankenhaus, versucht er, sich mit dem erlittenen Verlust zu versöhnen.

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17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Ein ganz stilles Buch, 26. Oktober 2006
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die See (Gebundene Ausgabe)
Der Kunsthistoriker Max Morden und seine Frau Anna sind glücklich miteinander verheiratet. Eines Tages erhält Mordens Frau ihren Untersuchungsbefund: Krebs. Nicht nur für sie, insbesondere auch für ihren Mann, bricht eine Welt zusammen. Die unheilbare Krankheit bedeutet, die Tage, die sie noch gemeinsam zu leben haben sind gezählt. Die letzten Tage verbringt er bei ihr im Krankenhaus.

Nach dem Tod flieht Morden in eine irische Pension, einem kleinen Haus am Meer, um zu reflektieren und innere Einkehr zu halten, sich mit dem bitteren, erlittenen Verlust zu versöhnen. In diesem Haus hat er schon als Kind Ferien verbracht. Und so tauchen in seiner Erinnerung Szenen von damals wieder auf, werden wie die Wellen an den Strand gespült und fliehen zurück ins Meer. Und hinter der schimmernden Fassade türmen sich auch immer Grausamkeiten und Kälte auf. Kleine Geheimnisse, die es in seinem Leben gab, klären sich auf, andere bleiben bestehen. Und so erinnert er sich besonders an die aus dem Rahmen fallende Familie Grace, die mit ihrem Zwillingspärchen Myles und Chloe früher auch hier in dieser Pension Ferien verbracht hat. Es war die Zeit wo bei Max in der Pubertät die Sexualität erwacht, wo die wildesten Phantasien sich in ihm auftaten. Und in seinen Träumen zieht Mrs. Grace Max magisch an, weckt eine unstillbare Sehnsucht in ihm. Später, so erinnert er sich, hat er sich dann in Chloe verliebt. Diese Bilder vermischen sich ständig mit denen, die er in Liebe, Glück, Harmonie und Zufriedenheit mit Anna verlebt hat.

Eigentlich hat das Buch wenig Handlung, aber es ist so wunderbar erzählt, unglaublich gut geschrieben. Eine präzise, sehr phantasievolle Sprache von großer Musikalität. Auch wenn es ganz kühl daher kommt, arbeitet es atmosphärisch ausgesprochen dicht. Eine meisterhafte Prosa. Es gibt viele Reflexionsebenen, die der Autor, in diesem todtraurigen und melancholischen Werk, bei der Betrachtung der vielen Bilder und Details entwirft. In jeder Hinsicht ein hervorragendes Buch.
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55 von 61 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Poetisch, lyrisch und was noch?, 15. Juni 2006
Von 
A. Wolf (Wiesbaden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die See (Gebundene Ausgabe)
Man muss dem Iren John Banville ob seines feinfühligen Sprachgefühls ein großes Lob aussprechen, denn ästhetisch hochwertige Prosa ist eher eine Nischenliteratur und schafft es kaum einmal, mit solcher Präsenz ins kollektive Bewusstsein der Bücherlesenden vorzudringen. Wem das gelingt, dem gelingt es nicht zu Unrecht.

Und so hat der Gewinner des Booker-Prize auch mit "The Sea" wieder einmal bewiesen, dass er auf hohem Niveau und voll von suggestiver Kraft zu schreiben vermag; der Leser stockt bisweilen und möchte hier und da vielleicht ein begeistertes "wow" von sich geben.

Doch in "The Sea" gehen dem Kunst schaffenden Iren allmählich die Themen aus. Dass der Tod der eigenen Frau aufgrund der eigenen Unfähigkeit, mit der Situation fertig zu werden, in eine stille, namenlose Melancholie führt, ist bereits aus dem Vorgänger "Shroud" (dt. "Caliban) bekannt. Der Rückzug ins erinnerungsschwangere Domizil von ehedem war Handlungsmotiv in "Eclipse" (dt. "Sonnenfinsternis"). Und auch Banvilles Charaktere, die sich in selbstgerechter Weise einerseits über die Welt erhöhen, andererseits an ihrem Scheitern an der Welt eine bittere Pille zu schlucken haben, können nun nicht mehr als sonderlich orginell gewertet werden. Max Morden aus "The Sea" unterscheidet sich kaum von Alex Cleave aus "Eclipse", die beiden eigene schöngeistige - aber kühle - Distanz zu ihrer Umgebung ist fast identisch dosiert.

So bleibt neben dem hohen sprachästhetischen Genuss immer wieder die Trübung des Lesegenusses durch die allfällige, Banvilles Werke durchziehende, sehr subtile Aggressivität, den leichten Sadismus und Voyeurismus, die eingestreuten Ästhetik- und Kunstbegriffe und viele weitere Dejavus.

Banvilles Prosa glänzt strahlend, und zwar derart hell, dass man sich kaum trauen möchte, die inhaltlichen Schwächen aufzuzeigen. Daneben wäre es für Bannville an der Zeit, den geschliffenen Monologen seiner Protagonisten mehr psychologischen Tiefgang zu verleihen.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Der Versuch, ein großes Unglück zu verwinden, 31. Dezember 2006
Rezension bezieht sich auf: Die See (Gebundene Ausgabe)
John Banville Die See Kiepenheuer & Witsch

Dieses Buch ist ein Buch der Erinnerung und des Abschieds.

Wie aber erinnert wird und wie das Leben in seinen Zusammenhängen dargestellt wird, das ist sensibel, feinfühlig und doch ungewöhnlich.

Max und Anna sind glücklich verheiratet. Sie erfahren unerwartet, dass Anna unheilbar an Krebs erkrankt ist.

Max macht sich nach ihrem Tod zu einem Ferienquartier am Meer auf, in dem er in seiner Jugend häufig gewesen ist.

Er erinnert sich an seine Begegnung mit der Familie Grace, in der es die Zwillinge Chloe und Miles gab, die in seinem Alter waren. Er liebte die Mutter der beiden, hatte Erlebnisse aber mit den zwei Gleichaltrigen. Seine Sexualität erwachte und spiegelte ihm Bilder wider, die ihn irritierten.

Zwischen den Zeilen erfahren wir Ausschnitte aus dem Leben und Sterben mit Anna,--und dass es eine Tochter Claire gibt, die sich um den Vater kümmern wird.

Die Erinnerungen an Anna sind sehr verhalten, fast scheint es, dass diese sterbende Frau ihm fremd ist. Hat der zu erwartende Tod sie zu einer Fremden gemacht?

Zu Claire ist die Beziehung äußerst distanziert. Sie wird als wenig ansehnlich und anziehend beschrieben. Empfindet er überhaupt väterliche Zuneigung zu ihr?

Zuletzt erschien es mir so, dass mit den Erinnerungen an die frühe Jugend die Zeit danach ausgelöscht und vergessen werden soll. Ist die Gegenwart nur so zu ertragen?

Viele Fragen blieben für mich unbeantwortet.

Schöne poetische Bilder und wenige Handlungsstränge zeichnen das Buch aus. Es ist ein Buch für besinnlich, nachdenklich Stunden.
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