Zu Weihnachten habe ich dieses Taschenbuch geschenkt bekommen, ohne zu wissen, dass es sich bereits um den 14. Fall des Peter Decker handelt. Wenige Tage nach Weihnachten hatte ich die Geschichte auch schon ausgelesen...
Inhalt: Als Lieutenant Peter Decker von seinem Halbbruder Jonathan aus New York einen Hilferuf erhält, weil Jonathans Schwager Ephraim ermordet und dessen Nichts Shayndie verschwunden ist, reist er zusammen mit seiner Frau Rina und der gemeinsamen Tochter Hannah nach New York, um dort seiner Familie beizustehen und bei den Ermittlungen zu helfen. Schnell fällt der Verdacht auf den ehemals drogenabhängigen Ephraim, der schon früher häufiger mit seiner minderjährigen Nichte gesehen worden ist. Aber auch Chris Donatti, der Peter Decker schon lange bekannt ist, taucht früh im Zusammenhang mit der verschwundenen Shayndie auf, da Donatti immer wieder junge Mädchen um sich schart, um diese erotisch zu fotografieren. Welche Rolle spielt Donatti im Mordfall? Decker gegenüber will er keine Informationen preisgeben, doch dieser spürt sofort, dass Donatti mehr über den Fall weiß, als er zugeben will. Bald gibt Chris Donatti jedoch zu, dass er Shayndies Aufenthaltsort kennt. Doch daraufhin geschieht ein weiterer Mord...
Kritik: Von Faye Kellerman wurden bereits zahlreiche weitere Romane rund um Peter Decker und seine Frau Rina Lazarus veröffentlicht, die „Schwingen des Todes" stellen den 14. Fall der Reihe dar. Leider kenne ich keines der anderen Bücher, sodass ich wenig über die komplizierten Familienverhältnisse der Deckers weiß und wie viele Hintergrundinformationen der fleißige Kellerman-Leser mitbringt, doch ist dieses Buch durchaus sehr gut lesbar ohne Kenntnis der früheren Bände. Der Kriminalfall ist in sich abgeschlossen und wird auch aufgeklärt, dennoch denke ich, dass man mehr über die Vorgeschichte zwischen Decker und Donatti aus anderen Büchern kennen wird. Auch über Deckers große Familie wird man wohl schon mehr gelesen haben, in den „Schwingen des Todes" werden Informationen über die Deckers nur noch am Rande eingestreut, sodass man sich dennoch ein recht gutes Bild von der Hauptfigur machen kann. Weitere Charaktere müssen allerdings in ihrer Vorstellung etwas leiden, so bleibt auch Rina eher im Hintergrund, obwohl Kellerman ihre Reihe auf beiden Figuren aufgebaut hat. Speziell die Verhältnise zwischen Rina und Chris Donatti blieben arg im Dunklen, sodass es mich schon reizen würde, weitere Decker-Romane zu lesen, um hierüber mehr zu erfahren.
Der Spannungsbogen setzt gleich mit Beginn des Buches ein, denn schon im ersten Kapitel erfährt der Leser über die Familientragödie in New York und befindet sich mitten im Geschehen. Recht bald wird auch klar, dass die Familie Decker etwas zu verbergen hat, denn schnell spürt Peter Decker Misstrauen ihm gegenüber, Jonathans Verwandte machen überaus deutlich, dass sie Deckers baldige Abreise wünschen. Doch Peter lässt sich nicht abschieben, sondern ermittelt weiterhin auf eigene Faust. Er hat Blut gemacht und einen Deal mit Donatti abgeschlossen, nun will er wissen, wie Ephraim gestorben ist. Der Spannungsbogen wird teilweise etwas durch Kellermans ausschweifende Erzählweise behindert, die der Charakterdarstellung noch zu Gute gekommen war. Manchmal verliert sie sich in den Ausführungen sämtlicher familiärer Verstrickungen oder in den überlangen Dialogen. Auch jüdische Fachwörter werden überschwänglich benutzt und leider nicht erklärt, so blieben mir einige Wortbedeutungen unklar. Deckers gesamtes Umfeld ist jüdisch und lebt demnach Traditionen und Bräuche aus, die mich persönlich nicht sonderlich interessiert haben, hier hätte Kellerman bei ihren Beschreibungen etwas zurückstecken können.
Sprachlich kann Kellerman durch gewählte Ausdrucksweise punkten, so war das Buch dadurch sehr angenehm zu lesen trotz des jüdischen Fachvokabulars. Eine Eigenart Kellermans ist die ausführliche Personenbeschreibung einer erstmals auftauchenden Person. Der Leser erhält hier meist eine Beschreibung zu Statur und Besonderheiten eines Charakters.
Das Thema des Buches war sehr spannend, dubiose Kreise in New York werden aufgedeckt und der Leser dadurch an fremde Schauplätze entführt. Die Geschichte reißt anfangs gut mit, verliert sich dann manchmal allerdings in zu ausschweifenden Umschreibungen. Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm, außerdem fällt positiv auf, dass das Buch ohne weiteres auch ohne Kenntnis der früheren Teile der Decker-Reihe verständlich ist. Dennoch wurde mein Interesse an den anderen Bänden geweckt, um noch mehr aus der Vorgeschichte Peter Deckers zu erfahren.