Das Leben bei Hof, die Sitten und Gebräuche, das Alltagsleben, die Kleidung und auch die Vergnügungen als Zeitvertreib sind in bunten und schillernden Farben beschrieben. Mary, die als Erzählerin in diesem Buch fungiert, berichtet ihre Sichtweise und Erlebnisse.
Oft ist man geneigt entrüstet zu reagieren, wenn die Familie wieder eine Entscheidung trifft, der die "Boleyn-Mädchen" folgen müssen. Frauen von edler Geburt werden als nichts anderes gesehen, als dass man sie für die Zwecke der Familie einsetzt um einen höheren Titel, ein Gut oder einfach mehr Geld zu erreichen. Sie werden schon in jungen Jahren verheiratet und es spielt keine Rolle was sie sich selber wünschen, sie haben sich den Männern unter zu ordnen. Philippa Gregory versteht es meisterhaft die damalige Welt bei Hofe und rund um den König Leben ein zu hauchen und nimmt den Leser mit in eine prunkvolle, prächtige und im Überfluss lebende Welt.
Anne und Mary sind von Geburt auf Rivalinnen. Rivalinnen in dem Sinne, da jede für sich versucht den höheren Rang durch einen erfolgreichen Ehemann zu erlangen. Ist Mary diejenige die die Welt mit einer gewissen Naivität und mit Gefühl betrachtet, so ist ihre Schwester Anne das totale Gegenteil. Egoistisch, selbstsüchtig, ehrgeizig und auch sadistisch verfolgt sie ihr Ziel: sie will Königin werden. Dafür tut sie alles erdenklich mögliche und schreckt vor nichts zurück. Sie intrigiert, umgarnt den König, tyrannisiert ihre Untergebenen und demütigt ihre Schwester, die immer treu an ihrer Seite steht.
Bis auf Mary und vielleicht noch ihr Bruder George, wird einem die Familie Boleyn nicht gerade sympathisch. Werden Mary und Anne von ihrem Onkel und ihrem Vater nur wie Schachfiguren im gefährlichen Spiel um Macht und Titel eingesetzt, wagt nur Anne sich daraus zu befreien. Aber um einen Preis, den sie letztendlich mit dem Leben bezahlt.
Auch wenn nicht alles historisch korrekt ist, so ist dies ein wunderbares Buch um sich ein Bild vom damaligen Leben um Henry VIII zu machen. Wer geschichtlich interessiert ist, wird selbst recherchieren, welche Freiheiten sich die Autorin erlaubt hat.
Wie hart und brutal um Rang und Titel gekämpft wird, kommt in diesem Buch besonders empathisch zur Geltung. Man empfindet mit Mary, man leidet mit ihr und versteht nicht, weshalb sie sich nicht gegen ihre exzentrische Schwester auflehnt.
Es wird realistisch und glaubhaft vermittelt, wie der Untergang von Königin Anne hätte passieren können. Man bekommt das Gefühl, dass der König - mit zunehmendem Alter tyrannischer und selbstsüchtiger - nicht bei klarem Verstand ist, wenn man seine Handlungen verfolgt..
Fazit: ein ungemein spannendes, interessantes und tiefblickendes Buch. Absolut zu empfehlen! Man wünscht sich nach dem Lesen dieses Buches, dass Geschichte generell so spannend und mitreißend verpackt wird.