Der Roman zieht den Leser dadurch in seinen Bann, das die ersten hundert Seiten aus der Sicht eines zukuenftigen, jugendlichen Opfers erzaehlt wird. Wie sich spaeter herrausstellt, ist das tragische Element die Tatsache, dass dieses Maedchen wie auch die Mutter kaum einen Eindruck in dieser Welt hinterlassen hat. Ihr Leben wird als eine Reihe von Verlusten dargestellt, Vater stirbt bei einem Autounfall, Mutter ist manisch depressiv, Mitschueler drangsalieren staendig-Einsamkeit. Da ist es naheliegend, das sie sich nach einer Vaterfigur sehnt und ausgerechnet dem Freund ihrer Mutter in die Haende faellt, was etwas durchaus perverses mit sich bringt. Der Moerder wird ausserdem als zunaechst sympatisch dargestellt, bis man dann die krankhafte, wohl aus seiner Jugend und auf seine Mutter bezogene, Seite kennenlernt, die zum Doppelmord fuehrt. Allerdings nicht bevor das Maedchen ihrerseits versucht ihn zu ermorden.
Das Team wird mal wieder fuer den renomierten Nesser Leser etwas weiter gebracht, indem persoenliches zum Vorschein tritt. Auch wird noch eine weibliche Ermittlerin hinzugezogen, um Ewa Moreno einen neuen Ansprechpartner zu geben.
Die Ermittlungen ziehen sich etwas hin, indem man wirklich kaum einen Hinweis hat, obwohl man das vielleicht auch als Realismus betrachten koennte. Dennoch ist dies ein negatives Element in diesem Fall, denn man haette durchaus 150 Seiten weniger gebrauchen koenne, obwohl wahre Fans sich dadurch nicht abbringen lassen. Letztendlich bietet eine Anstecknadel den ersten Schluessel. Forensisch haette es da eigendlich mehr geben sollen, aber das wird weniger behandelt.
Alles in allem ist es ein unterhaltsamer Krimi, mit teilweise intensiven Elementen, die manche Seiten nur so dahinfliegen lassen. An anderen Stellen braucht man etwas mehr Geduld. Es reicht meiner Meinung nicht ganz an Muensters Fall oder Das Vierte Opfer heran, aber es ist vergleichbar mit Der Kommissar und das Schweigen. Kein Problem fuer Nesser Leser obwohl es dem Mankell Folger wohl weniger gefallen wird.