Beim Lesen der sehr interessanten Geschichte über das Schicksal der Schwabenkinder habe ich immer wieder innerlich die fürchterlichen Lebensbedingungen nachgefühlt und mitgelitten. Zeitenweise ging mir die Not der darin beschriebenen Menschen nicht mehr aus dem Kopf. Erzählungen meines Großvaters, der noch im 19. Jahrhundert geboren wurde, kamen mir dabei in Erinnerung. Das Buch ermöglicht einen guten Einblick in den damaligen Alltag der einfachen Bevölkerung. Vermisst habe ich allerdings einen Index, der - auch für Schwaben nicht grundsätzlich verständliche - ländliche Bezeichnungen und Mundartausdrücke erklärt. Schade fand ich auch, dass die Geschichte irgendwie am Schluss "abbricht" und viele Fragen offen lässt. Irgend einen gelungenen Ausklang hätte der Autor doch finden können? Auch kann ich mir nicht ganz vorstellen, dass in der damaligen Zeit ein Bauer Gebstetter mit einem Herrn Whitehead, der ja zur besseren Gesellschaft gehörte, in einem derart unverschämten Ton zu sprechen wagte und das auch noch in aller Öffentlichkeit. Dass Kasparnaze, der ja ein Kind vom Lande war und irgendwann beim Decken und Gebähren der Tiere zugeschaut hatte, sich überhaupt kein Bild von den Vorgängen auf Gebstetters Heuboden machen konnte, klingt für mich auch etwas merkwürdig. Auch dann, wenn die Vorgänge Mitte des 19. Jahrhunderts stattfanden und man zu jener Zeit von Aufklärung gar nichts hielt.
Aus den genannten Gründen nur vier Sterne. Trotzdem finde ich das Buch lesenswert und möchte es ganz besonders jungen Leuten ans Herz legen, da es viel aus der einstigen Zeit vermittelt. Ein Besuch des sehr schönen Museumsdorfes Kürnbach bei Bad Schussenried in Oberschwaben, zu dem ein Hof gehört, der von einem ehemaligen Schwabenkind geerbt wurde, kann die vergangene Zeit noch stärker veranschaulichen.