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Produktinformation
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Von Hanni und Nanni-Stimmung keine Spur: Die frühreife Kitty, deren Schuluniform verboten hoch über dem Knie endet, die introvertierte Bernadette, die mitfühlende Teresa, Mary Olivier, die sich Nägel in die Handflächen bohrt, um Jesu Leiden nachzuempfinden, und das Nesthäkchen Bridie, das in einer Traumwelt mit Fantasie-Lover Jean-Jaques lebt, haben sich zu einer Art Notgemeinschaft zusammengefunden. Selbst als Kitty in der Schweigewoche einen Rauswurf provoziert, um der Beichte zu entgehen, als Teresa sich halb vergiftet und Mary fast verrückt vor Angst vom Dach springt, vertrauen die Schicksalsgefährten einander nicht an, was sie innerlich zerstört -- jede ist gefangen in ihren ganz persönlichen Klostermauern, in einem Netz aus Schamgefühl und Angst. Erst als Jahrzehnte später Mary angeklagt wird, einen Priester gekreuzigt zu haben, kommt die schreckliche, schmerzhafte Wahrheit ans Licht.
Die irische Autorin Mary Stanley kennt Klosterinternate aus eigener Erfahrung. Erinnerungen, die sicher hilfreich waren, um ihrem Erstling Die Schule der Schweigenden diese erzkatholisch-klaustrophobe Atmospäre zu verpassen. Kühl und distanziert umkreist Stanley wie eine Kamera ihre Figuren, lässt die Leser aus erhöhter Perspektive immer wieder in Vergangenheit und Zukunft blicken, um zu erklären oder den Spannungsbogen zu erhöhen. Ihr ist damit ein bedrückender, psychologisch raffiniert konstruierter Roman gelungen mit einem Ende, das erwartet und überraschend zugleich ist. --Beate Strobel -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Dass die Autorin hier keine Hanni-und-Nanni-Geschichte geschrieben hat, spürt man von der ersten Seite an. Das Buch geht harsch ins Gericht mit den unmenschlichen Erziehungsmethoden klösterlicher Internate. Bis heute mag sich manches zum Besseren verändert haben, aber viele, die selbst auf einer Klosterschule waren, kennen eine bösartige "Mater Immakulata" (die Kinder nennen sie "der Rabe") oder eine nicht minder kaltherzige "Schwester Rodriguez".
"Die Schule der Schweigenden" erzählt davon, wie fünf Freundinnen die letzten Wochen vor ihrem Abschluss im Klosterinternat St. Martin's in Dublin erleben. Die Freiheit ist schon greifbar nahe. Umso unerträglicher sind die letzten quälenden Tage der Unterdrückung. In die Handlung eingeflochten werden in Rückblenden die Kindheitsgeschichten der Mädchen erzählt. So erfährt man, aus welchem familiären Umfeld sie stammen, welche Erlebnisse sie geprägt haben und was sie auf ebendieses Internat verschlagen hat. Da gibt es die souverände Treasa, die rebellische Kitty, die freche Bernadette, die verträumte Bridie und die schüchterne Mary. Der Erzählfluss wird durch die Rückblenden nie unangenehm unterbrochen. Sie fügen sich vielmehr nahtlos in die Geschichte ein. Die letzten Kapitel machen dann wiederum einen Zeitsprung von gut 20 Jahren in die Gegenwart.
Auch wenn ziemlich schnell klar wird, dass die Geschichte auf sexuellen Missbrauch durch einen Pfarrer hinausläuft, der von der Kirche geschickt vertuscht wird, vermittelt das Buch geradezu eine beklemmende Spannung. Die Mädchen schweigen, jahrelang - aus Scham, Angst und Einschüchterung. Das ganze Ausmaß des Verbrechens wird erst offenkundig, als sie endlich den Mut fassen, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Aber auch das versuchen mächtige Drahtzieher zu verhindern.
Ich habe "Die Schule der Schweigenden" mit großem Enthusiasmus in zwei Tagen durchgelesen. Ein hartes, unerbittliches Buch, das unter die Haut geht.
"Schule des Schweigens" erzählt die Ereignisse jener Woche, unterbrochen von Berichten über die Kindheit von fünf Schülerinnen, und wie es dazu kam, dass sie sich auf gerade dieser Schule trafen. Dieser Erzählstil ist zunächst gewöhnungsbedürftig, dann aber fesselnd, denn man weiß nie, über welche der Schülerinnen man als nächstes genaueres erfährt. Das irische Schulsystem und besonders die konfessionellen Schulen kommen bei Mary Stanley nicht besonders gut weg. Gehorsam und Disziplin ist das wichtigste, einfühlsame Lehrerinnen gibt es nur wenige. Man fragt sich, ob die Autorin selbst eine solche Schulzeit durchgemacht hat. Am Ende des Buches gibt es einen Sprung in die aktuelle Zeit, in der die Schulzeit zwar lange zurückliegt, aber keinesfalls vergessen ist. Die Hauptpersonen des Buches treffen sich wieder und erst jetzt erfährt man, was damals in St. Martin's wirklich passierte.
"Schule des Schweigens" (org. "Retreat") überzeugt durch eine einfühlsame Schilderung des Lebens in der Schule und der unterschiedlichen Auswirkungen des rigorosen Führungsstils auf die fünf Mädchen. Da ist zum Beispiel Mary Olivier, die schüchterne, die eigentlich Nonne werden will, Kitty O'Dowd, die gegen alles aufbegehrt und Anna McBride, mit Abstand die jüngste, die in einer Fantasiewelt lebt. Alles faszinierende Charaktere, deren Entwicklung zu verfolgen, manchmal schockiert, aber größtenteils hoch interessant ist.
Empfohlen für Freunde des psychologischen Romans.