Gides schmaler Roman, den er laut Klaus Mann in einer depressiven Stimmung schrieb, büßt destotrotz nicht das Genie anderer Werke ein.
Wirklich brilliant ist zunächst die Komposition; ein Tagesbuch einer von ihrem bigotten Gatten enttäuschten Frau, anständig, brav, ganz den Konventionen ihrer Zeit entsprechend. Darauf folgt die verbitterte und zerschmetternde Antwort des Gatten, der sich beleidigt verteidigt und dann am Ende großmütig seiner ach so irregeleiteten Frau christliche Gnade gewährt. Als letztes folgt ein Brief der gemeinsamen Tochter Geneviéve, die im Gegesatz zu ihrer Mutter schon sehr emanzipiert ist, ein Musterkind der zwanziger Jahre. Sie wiederum berichtet von sich und ihren Erfahrungen. - ganz leblos und trocken, kündigt sie an. Jedoch liest sich all das fantastisch. Es ist ein faszinierendes Zeitpoträt. Mit all seinem "psychologischem Scharfsinn" (Zitat aus der Begründung des Nobelpreises;)) beschreibt er das Innenleben dieser grundverschiedenen Menschen, ihre Impressionen und Empfindungen und schafft es, kein Gut und Böse darzustellen, nicht Engel und Teufel zu zeichnen, sondern einfach nur Menschen. Zudem sehr unterhaltsam und nicht ganz so komplex wie andere Gide-Romane, aber ebenso gelungen.